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1:1
Sintemal sich's viele unterwunden haben, Bericht zu geben von
den Geschichten, so unter uns ergangen sind,
1:2
wie uns das gegeben haben, die es von Anfang selbst gesehen
und Diener des Worts gewesen sind:
1:3
habe ich's auch für gut angesehen, nachdem ich's alles von
Anbeginn mit Fleiß erkundet habe, daß ich's dir, mein guter
Theophilus, in Ordnung schriebe,
1:4
auf das du gewissen Grund erfahrest der Lehre, in welcher du
unterrichtet bist.
1:5
Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, war ein
Priester von der Ordnung Abia, mit Namen Zacharias, und sein Weib
war von den Töchtern Aarons, welche hieß Elisabeth.
1:6
Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und wandelten in
allen Geboten und Satzungen des HERRN untadelig.
1:7
Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und
waren beide wohl betagt.
1:8
Und es begab sich, da er des Priesteramtes pflegte vor Gott
zur Zeit seiner Ordnung,
1:9
nach Gewohnheit des Priestertums, und an ihm war, daß er
räuchern sollte, ging er in den Tempel des HERRN.
1:10
Und die ganze Menge des Volks war draußen und betete unter
der Stunde des Räucherns.
1:11
Es erschien ihm aber der Engel des HERRN und stand zur
rechten Hand am Räucheraltar.
1:12
Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es kam ihn eine
Furcht an.
1:13
Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias!
denn dein Gebet ist erhört, und dein Weib Elisabeth wird dir
einen Sohn gebären, des Namen sollst du Johannes heißen.
1:14
Und du wirst des Freude und Wonne haben, und viele werden
sich seiner Geburt freuen.
1:15
Denn er wird groß sein vor dem HERRN; Wein und starkes
Getränk wird er nicht trinken und wird noch im Mutterleibe
erfüllt werden mit dem heiligen Geist.
1:16
Und er wird der Kinder Israel viele zu Gott, ihrem HERRN,
bekehren.
1:17
Und er wird vor ihm her gehen im Geist und Kraft des Elia,
zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die
Ungläubigen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem HERRN
ein bereitet Volk.
1:18
Und Zacharias sprach zu dem Engel: Wobei soll ich das
erkennen? Denn ich bin alt und mein Weib ist betagt.
1:19
Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der
vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden, daß ich dir
solches verkündigte.
1:20
Und siehe, du wirst verstummen und nicht reden können bis
auf den Tag, da dies geschehen wird, darum daß du meinen Worten
nicht geglaubt hast, welche sollen erfüllt werden zu ihrer Zeit.
1:21
Und das Volk wartete auf Zacharias und verwunderte sich, daß
er so lange im Tempel verzog.
1:22
Und da er herausging, konnte er nicht mit ihnen reden; und
sie merkten, daß er ein Gesicht gesehen hatte im Tempel. Und er
winkte ihnen und blieb stumm.
1:23
Und es begab sich, da die Zeit seines Amts aus war, ging er
heim in sein Haus.
1:24
Und nach den Tagen ward sein Weib Elisabeth schwanger und
verbarg sich fünf Monate und sprach:
1:25
Also hat mir der HERR getan in den Tagen, da er mich
angesehen hat, daß er meine Schmach unter den Menschen von mir
nähme.
1:26
Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von
Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth,
1:27
zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Manne mit Namen
Joseph, vom Hause David: und die Jungfrau hieß Maria.
1:28
Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßet seist
du, Holdselige! Der HERR ist mit dir, du Gebenedeite unter den
Weibern!
1:29
Da sie aber ihn sah, erschrak sie über seine Rede und
gedachte: Welch ein Gruß ist das?
1:30
Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! du
hast Gnade bei Gott gefunden.
1:31
Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, des
Namen sollst du Jesus heißen.
1:32
Der wird groß sein und ein Sohn des Höchsten genannt werden;
und Gott der HERR wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben;
1:33
und er wird ein König sein über das Haus Jakob ewiglich, und
seines Königreiches wird kein Ende sein.
1:34
Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich
von keinem Manne weiß?
1:35
Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist
wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich
überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren
wird, Gottes Sohn genannt werden.
1:36
Und siehe, Elisabeth, deine Gefreunde, ist auch schwanger
mit einem Sohn in ihrem Alter und geht jetzt im sechsten Monat,
von der man sagt, daß sie unfruchtbar sei.
1:37
Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.
1:38
Maria aber sprach: Siehe ich bin des HERRN Magd; mir
geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.
1:39
Maria aber stand auf in den Tagen und ging auf das Gebirge
eilends zu der Stadt Juda's
1:40
und kam in das Haus des Zacharias und grüßte Elisabeth.
1:41
Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte,
hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des heiligen
Geistes voll
1:42
und rief laut und sprach: Gebenedeit bist du unter den
Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!
1:43
Und woher kommt mir das, daß die Mutter meines HERRN zu mir
kommt?
1:44
Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte mit
Freuden das Kind in meinem Leibe.
1:45
Und o selig bist du, die du geglaubt hast! denn es wird
vollendet werden, was dir gesagt ist von dem HERRN.
1:46
Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den HERRN,
1:47
und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilands;
1:48
denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe,
von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder;
1:49
denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und
des Name heilig ist.
1:50
Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen,
die ihn fürchten.
1:51
Er übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig
sind in ihres Herzens Sinn.
1:52
Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen.
1:53
Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die Reichen leer.
1:54
Er denkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel
wieder auf,
1:55
wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen
ewiglich.
1:56
Und Maria blieb bei ihr bei drei Monaten; darnach kehrte sie
wiederum heim.
1:57
Und Elisabeth kam ihre Zeit, daß sie gebären sollte; und sie
gebar einen Sohn.
1:58
Und ihre Nachbarn und Gefreunde hörten, daß der HERR große
Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr.
1:59
Und es begab sich am achten Tage, da kamen sie, zu
beschneiden das Kindlein, und hießen ihn nach seinem Vater
Zacharias.
1:60
Aber seine Mutter antwortete und sprach: Mitnichten, sondern
er soll Johannes heißen.
1:61
Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner
Freundschaft, der also heiße.
1:62
Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn wollte heißen
lassen.
1:63
Und er forderte ein Täfelein und schrieb also: Er heißt
Johannes. Und sie verwunderten sich alle.
1:64
Und alsbald ward sein Mund und seine Zunge aufgetan, und er
redete und lobte Gott.
1:65
Und es kam eine Furcht über alle Nachbarn; und die ganze
Geschichte ward ruchbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge.
1:66
Und alle, die es hörten, nahmen's zu Herzen und sprachen:
Was, meinst du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des
HERRN war mit ihm.
1:67
Und sein Vater Zacharias ward des heiligen Geistes voll,
weissagte und sprach:
1:68
Gelobet sei der HERR, der Gott Israels! denn er hat besucht
und erlöst sein Volk
1:69
und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils in dem Hause
seines Dieners David,
1:70
wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund des Propheten:
1:71
daß er uns errettete von unseren Feinden und von der Hand
aller, die uns hassen,
1:72
und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an
seinen heiligen Bund
1:73
und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham,
uns zu geben,
1:74
daß wir, erlöst aus der Hand unserer Feinde, ihm dienten
ohne Furcht unser Leben lang
1:75
in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist.
1:76
Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Du
wirst vor dem HERRN her gehen, daß du seinen Weg bereitest
1:77
und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk, das da ist in
Vergebung ihrer Sünden;
1:78
durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch
welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe,
1:79
auf daß er erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und
Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des
Friedens.
1:80
Und das Kindlein wuchs und ward stark im Geist; und er war
in der Wüste, bis daß er sollte hervortreten vor das Volk Israel.
2:1
Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser
Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde.
2:2
Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der
Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war.
2:3
Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher
in seine Stadt.
2:4
Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt
Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt
Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war,
2:5
auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten
Weibe, die ward schwanger.
2:6
Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie gebären
sollte.
2:7
Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln
und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum
in der Herberge.
2:8
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den
Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
2:9
Und siehe, des HERRN Engel trat zu ihnen, und die Klarheit
des HERRN leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
2:10
Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! siehe,
ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren
wird;
2:11
denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist
Christus, der HERR, in der Stadt Davids.
2:12
Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in
Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
2:13
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen
Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
2:14
Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den
Menschen ein Wohlgefallen.
2:15
Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die
Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die
Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der HERR
kundgetan hat.
2:16
Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph,
dazu das Kind in der Krippe liegen.
2:17
Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus,
welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.
2:18
Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen
die Hirten gesagt hatten.
2:19
Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem
Herzen.
2:20
Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um
alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen
gesagt war.
2:21
Und da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde,
da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem
Engel, ehe denn er in Mutterleibe empfangen ward.
2:22
Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Mose's
kamen, brachten sie ihn gen Jerusalem, auf daß sie ihn
darstellten dem HERRN
2:23
(wie denn geschrieben steht in dem Gesetz des HERRN:
"Allerlei männliches, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem
HERRN geheiligt heißen")
2:24
und das sie gäben das Opfer, wie es gesagt ist im Gesetz des
HERRN: "Ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben."
2:25
Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon;
und derselbe Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf
den Trost Israels, und der heilige Geist war in ihm.
2:26
Und ihm war eine Antwort geworden von dem heiligen Geist, er
sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christus des
HERRN gesehen.
2:27
Und er kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die
Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, daß sie für ihn
täten, wie man pflegt nach dem Gesetz,
2:28
da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:
2:29
HERR, nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du
gesagt hast;
2:30
denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,
2:31
welchen du bereitest hast vor allen Völkern,
2:32
ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines
Volkes Israel.
2:33
Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich des, das von
ihm geredet ward.
2:34
Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter:
Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler
in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird
2:35
(und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen), auf daß
vieler Herzen Gedanken offenbar werden.
2:36
Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels, vom
Geschlecht Asser; die war wohl betagt und hatte gelebt sieben
Jahre mit ihrem Manne nach ihrer Jungfrauschaft
2:37
und war nun eine Witwe bei vierundachtzig Jahren; die kam
nimmer vom Tempel, diente Gott mit Fasten und Beten Tag und
Nacht.
2:38
Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries den HERRN
und redete von ihm zu allen, die da auf die Erlösung zu Jerusalem
warteten.
2:39
Und da sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des HERRN,
kehrten sie wieder nach Galiläa zu ihrer Stadt Nazareth.
2:40
Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller
Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.
2:41
Und seine Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das
Osterfest.
2:42
Und da er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen
Jerusalem nach der Gewohnheit des Festes.
2:43
Und da die Tage vollendet waren und sie wieder nach Hause
gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern
wußten's nicht.
2:44
Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen
eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Gefreunden und
Bekannten.
2:45
Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen
Jerusalem und suchten ihn.
2:46
Und es begab sich, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel
sitzen mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie
fragte.
2:47
Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines
Verstandes und seiner Antworten.
2:48
Und da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Seine Mutter aber
sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe,
dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.
2:49
Und er sprach zu ihnen: Was ist's, daß ihr mich gesucht
habt? Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines
Vaters ist?
2:50
Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete.
2:51
Und er ging mit ihnen hinab und kam gen Nazareth und war
ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in
ihrem Herzen.
2:52
Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und
den Menschen.
3:1
In dem fünfzehnten Jahr des Kaisertums Kaisers Tiberius, da
Pontius Pilatus Landpfleger in Judäa war und Herodes ein
Vierfürst in Galiläa und sein Bruder Philippus ein Vierfürst in
Ituräa und in der Gegend Trachonitis und Lysanias ein Vierfürst
zu Abilene,
3:2
da Hannas und Kaiphas Hohepriester waren: da geschah der
Befehl Gottes zu Johannes, des Zacharias Sohn, in der Wüste.
3:3
Und er kam in alle Gegend um den Jordan und predigte die
Taufe der Buße zur Vergebung Sünden,
3:4
wie geschrieben steht in dem Buch der Reden Jesaja's, des
Propheten, der da sagt: "Es ist eine Stimme eines Predigers in
der Wüste: Bereitet den Weg des HERRN und macht seine Steige
richtig!
3:5
Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel
erniedrigt werden; und was krumm ist, soll richtig werden, und
was uneben ist, soll schlichter Weg werden.
3:6
Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen."
3:7
Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, daß sich von ihm
Taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß
ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet?
3:8
Sehet zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße und nehmt euch
nicht vor, zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage
euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.
3:9
Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher
Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und in das Feuer
geworfen.
3:10
Und das Volk fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun?
3:11
Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Röcke hat,
der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, der tue auch
also.
3:12
Es kamen auch die Zöllner, daß sie sich taufen ließen, und
sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun?
3:13
Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist.
3:14
Da fragten ihn auch die Kriegsleute und sprachen: Was sollen
denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt noch
Unrecht und laßt euch genügen an eurem Solde.
3:15
Als aber das Volk im Wahn war und dachten in ihren Herzen
von Johannes, ob er vielleicht Christus wäre,
3:16
antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit
Wasser; es kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht
genugsam bin, daß ich die Riemen seiner Schuhe auflöse; der wird
euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen.
3:17
In seiner Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne
fegen und wird den Weizen in seine Scheuer sammeln, und die Spreu
wird er mit dem ewigen Feuer verbrennen.
3:18
Und viel anderes mehr ermahnte er das Volk und verkündigte
ihnen das Heil.
3:19
Herodes aber, der Vierfürst, da er von ihm gestraft ward um
der Herodias willen, seines Bruders Weib, und um alles Übels
willen, das Herodes tat,
3:20
legte er über das alles Johannes gefangen.
3:21
Und es begab sich, da sich alles Volk taufen ließ und Jesus
auch getauft war und betete, daß sich der Himmel auftat
3:22
und der heilige Geist fuhr hernieder in leiblicher Gestalt
auf ihn wie eine Taube und eine Stimme kam aus dem Himmel, die
sprach: Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
3:23
Und Jesus war, da er anfing, ungefähr dreißig Jahre alt, und
ward gehalten für einen Sohn Josephs, welcher war ein Sohn Eli's,
3:24
der war ein Sohn Matthats, der war ein Sohn Levis, der war
ein Sohn Melchis, der war ein Sohn Jannas, der war ein Sohn
Josephs,
3:25
der war ein Sohn des Mattathias, der war ein Sohn des Amos,
der war ein Sohn Nahums, der war ein Sohn Eslis, der war ein Sohn
Nangais,
3:26
der war ein Sohn Maaths, der war ein Sohn des Mattathias,
der war ein Sohn Simeis, der war ein Sohn Josechs, der war ein
Sohn Juda's,
3:27
der war ein Sohn Johanans, der war ein Sohn Resas, der war
ein Sohn Serubabels, der war ein Sohn Sealthiels, der war ein
Sohn Neris,
3:28
der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn Addis, der war
ein Sohn Kosams, der war ein Sohn Elmadams, der war ein Sohn
Hers,
3:29
der war ein Sohn des Jesus, der war ein Sohn Eliesers, der
war ein Sohn Jorems, der war ein Sohn Matthats, der war ein Sohn
Levis,
3:30
der war ein Sohn Simeons, der war ein Sohn Judas, der war
ein Sohn Josephs, der war ein Sohn Jonams, der war ein Sohn
Eliakims,
3:31
der war ein Sohn Meleas, der war ein Sohn Menams, der war
ein Sohn Mattathans, der war ein Sohn Nathans, der war ein Sohn
Davids,
3:32
der war ein Sohn Jesses, der war ein Sohn Obeds, der war ein
Sohn des Boas, der war ein Sohn Salmas, der war ein Sohn
Nahessons,
3:33
der war ein Sohn Amminadabs, der war ein Sohn Rams, der war
ein Sohn Hezrons, der war ein Sohn des Perez, der war ein Sohn
Juda's,
3:34
der war ein Sohn Jakobs, der war ein Sohn Isaaks, der war
ein Sohn Abrahams, der war ein Sohn Tharahs, der war ein Sohn
Nahors,
3:35
der war ein Sohn Serugs, der war ein Sohn Regus, der war ein
Sohn Pelegs, der war ein Sohn Ebers, der war ein Sohn Salahs,
3:36
der war ein Sohn Kenans, der war ein Sohn Arphachsads, der
war ein Sohn Sems, der war ein Sohn Noahs, der war ein Sohn
Lamechs,
3:37
der war ein Sohn Methusalahs, der war ein Sohn Henochs, der
war ein Sohn Jareds, der war ein Sohn Mahalaleels, der war ein
Sohn Kenans,
3:38
der war ein Sohn des Enos, der war ein Sohn Seths, der war
ein Sohn Adams, der war Gottes.
4:1
Jesus aber, voll des heiligen Geistes, kam wieder von dem
Jordan und ward vom Geist in die Wüste geführt
4:2
und ward vierzig Tage lang vom Teufel versucht. Und er aß
nichts in diesen Tagen; und da sie ein Ende hatten, hungerte ihn
darnach.
4:3
Der Teufel aber sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich
zu dem Stein, daß er Brot werde.
4:4
Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es steht geschrieben:
"Der Mensch lebt nicht allein vom Brot, sondern von einem
jeglichen Wort Gottes."
4:5
Und der Teufel führte ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm
alle Reiche der ganzen Welt in einem Augenblick
4:6
und sprach zu ihm: Alle diese Macht will ich dir geben und
ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir übergeben, und ich gebe sie,
welchem ich will.
4:7
So du nun mich willst anbeten, so soll es alles dein sein.
4:8
Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben: "Du
sollst Gott, deinen HERRN, anbeten und ihm allein dienen."
4:9
Und er führte ihn gen Jerusalem und stellte ihn auf des
Tempels Zinne und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich
von hinnen hinunter
4:10
denn es steht geschrieben: "Er wird befehlen seinen Engeln
von dir, daß sie dich bewahren
4:11
und auf den Händen tragen, auf daß du nicht etwa deinen Fuß
an einen Stein stößt."
4:12
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt: "Du
sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen."
4:13
Und da der Teufel alle Versuchung vollendet hatte, wich er
von ihm eine Zeitlang.
4:14
Und Jesus kam wieder in des Geistes Kraft nach Galiläa; und
das Gerücht erscholl von ihm durch alle umliegenden Orte.
4:15
Und er lehrte in ihren Schulen und ward von jedermann
gepriesen.
4:16
Und er kam gen Nazareth, da er erzogen war, und ging in die
Schule nach seiner Gewohnheit am Sabbattage und stand auf und
wollte lesen.
4:17
Da ward ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und da
er das Buch auftat, fand er den Ort, da geschrieben steht:
4:18
"Der Geist des HERRN ist bei mir, darum, daß er mich gesalbt
hat; er hat mich gesandt, zu verkündigen das Evangelium den
Armen, zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den
Gefangenen, daß sie los sein sollten, und den Blinden das Gesicht
und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen,
4:19
und zu verkündigen das angenehme Jahr des HERRN."
4:20
Und als er das Buch zutat, gab er's dem Diener und setzte
sich. Und aller Augen, die in der Schule waren, sahen auf ihn.
4:21
Und er fing an, zu sagen zu ihnen: Heute ist diese Schrift
erfüllt vor euren Ohren.
4:22
Und sie gaben alle Zeugnis von ihm und wunderten sich der
holdseligen Worte, die aus seinem Munde gingen, und sprachen:
"Ist das nicht Josephs Sohn?"
4:23
Und er sprach zu ihnen: Ihr werdet freilich zu mir sagen
dies Sprichwort: Arzt, hilf dir selber! Denn wie große Dinge
haben wir gehört, zu Kapernaum geschehen! Tue also auch hier, in
deiner Vaterstadt.
4:24
Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch: "Kein Prophet ist
angenehm in seinem Vaterlande.
4:25
Aber in der Wahrheit sage ich euch: Es waren viele Witwen in
Israel zu Elia's Zeiten, da der Himmel verschlossen war drei
Jahre und sechs Monate, da eine große Teuerung war im ganzen
Lande
4:26
und zu deren keiner ward Elia gesandt denn allein gen
Sarepta der Sidonier zu einer Witwe.
4:27
Und viele Aussätzige waren in Israel zu des Propheten Elisa
Zeiten; und deren keiner wurde gereinigt denn allein Naeman aus
Syrien.
4:28
Und sie wurden voll Zorns alle, die in der Schule waren, da
sie das hörten,
4:29
und standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten
ihn auf einen Hügel des Berges, darauf ihre Stadt gebaut war, daß
sie ihn hinabstürzten.
4:30
Aber er ging mitten durch sie hinweg.
4:31
Und er kam gen Kapernaum, in die Stadt Galiläas, und lehrte
sie am Sabbat.
4:32
Und sie verwunderten sich seiner Lehre; denn seine Rede war
gewaltig.
4:33
Und es war ein Mensch in der Schule, besessen mit einem
unsauberen Teufel; der schrie laut
4:34
und sprach: Halt, was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus
von Nazareth? Du bist gekommen uns zu verderben. Ich weiß wer du
bist: der heilige Gottes.
4:35
Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus
von ihm! Und der Teufel warf ihn mitten unter sie und fuhr von
ihm aus und tat ihm keinen Schaden.
4:36
Und es kam eine Furcht über sie alle, und redeten
miteinander und sprachen: Was ist das für ein Ding? Er gebietet
mit Macht und Gewalt den unsauberen Geistern, und sie fahren aus.
4:37
Und es erscholl sein Gerücht in alle Örter des umliegenden
Landes.
4:38
Und er stand auf aus der Schule und kam in Simons Haus. Und
Simons Schwiegermutter war mit einem harten Fieber behaftet; und
sie baten ihn für sie.
4:39
Und er trat zu ihr und gebot dem Fieber, und es verließ sie.
Und alsbald stand sie auf und diente ihnen.
4:40
Und da die Sonne untergegangen war, brachten alle, die
Kranke hatten mit mancherlei Seuchen, sie zu ihm. Und er legte
auf einen jeglichen die Hände und machte sie gesund.
4:41
Es fuhren auch die Teufel aus von vielen, schrieen und
sprachen: Du bist Christus, der Sohn Gottes! Und er bedrohte sie
und ließ sie nicht reden; denn sie wußten, daß er Christus war.
4:42
Da es aber Tag ward, ging er hinaus an eine wüste Stätte;
und das Volk suchte ihn, und sie kamen zu ihm und hielten ihn
auf, daß er nicht von ihnen ginge.
4:43
Er sprach aber zu ihnen: Ich muß auch andern Städten das
Evangelium verkündigen vom Reiche Gottes; denn dazu bin ich
gesandt.
4:44
Und er predigte in den Schulen Galiläas.
5:1
Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drängte, zu hören
das Wort Gottes, daß er stand am See Genezareth
5:2
und sah zwei Schiffe am See stehen, die Fischer aber waren
ausgetreten und wuschen ihre Netze.
5:3
Da trat er in der Schiffe eines, welches Simons war, und bat
ihn, daß er's ein wenig vom Lande führte. Und er setzte sich und
lehrte das Volk aus dem Schiff.
5:4
Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon:
Fahre auf die Höhe und werfet eure Netze aus, daß ihr einen Zug
tut.
5:5
Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben
die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen, aber auf dein
Wort will ich das Netz auswerfen.
5:6
Und da sie das taten, beschlossen sie eine große Menge
Fische, und ihr Netz zerriß.
5:7
Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern Schiff waren,
daß sie kämen und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten
beide Schiffe voll, also daß sie sanken.
5:8
Da das Simon Petrus sah, fiel er Jesu zu den Knieen und
sprach: HERR, gehe von mir hinaus! ich bin ein sündiger Mensch.
5:9
Denn es war ihn ein Schrecken angekommen, ihn und alle, die
mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie miteinander getan
hatten;
5:10
desgleichen auch Jakobus und Johannes, die Söhne des
Zebedäus, Simons Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte
dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fangen.
5:11
Und sie führten die Schiffe zu Lande und verließen alles und
folgten ihm nach.
5:12
Und es begab sich, da er in einer Stadt war, siehe, da war
ein Mann voll Aussatz. Da der Jesum sah, fiel er auf sein
Angesicht und bat ihn und sprach: HERR, willst du, so kannst du
mich reinigen.
5:13
Und er streckte die Hand aus und rührte ihn an und sprach:
Ich will's tun; sei gereinigt! Und alsobald ging der Aussatz von
ihm.
5:14
Und er gebot ihm, daß er's niemand sagen sollte; sondern
"gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine
Reinigung, wie Mose geboten, ihnen zum Zeugnis".
5:15
Es kam aber die Sage von ihm immer weiter aus, und kam viel
Volks zusammen, daß sie ihn hörten und durch ihn gesund würden
von ihren Krankheiten.
5:16
Er aber entwich in die Wüste und betete.
5:17
Und es begab sich auf einen Tag, daß er lehrte; und es saßen
da die Pharisäer und Schriftgelehrten, die da gekommen waren aus
allen Märkten in Galiläa und Judäa und von Jerusalem. Und die
Kraft des HERRN ging von ihm, und er half jedermann.
5:18
Und, siehe, etliche Männer brachten einen Menschen auf
seinem Bette, der war gichtbrüchig; und sie suchten, wie sie ihn
hineinbrächten und vor ihn legten.
5:19
Und da sie vor dem Volk nicht fanden, an welchen Ort sie ihn
hineinbrächten, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn durch die
Ziegel hernieder mit dem Bettlein mitten unter sie, vor Jesum.
5:20
Und da er ihren Glauben sah, sprach er zu ihm: Mensch, deine
Sünden sind dir vergeben.
5:21
Und die Schriftgelehrten und Pharisäer fingen an, zu denken
und sprachen: Wer ist der, daß er Gotteslästerungen redet? Wer
kann Sünden vergeben denn allein Gott?
5:22
Da aber Jesus ihre Gedanken merkte, antwortete er und sprach
zu ihnen: Was denket ihr in euren Herzen?
5:23
Welches ist leichter: zu sagen: Dir sind deine Sünden
vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandle?
5:24
Auf das ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht hat,
auf Erden Sünden zu vergeben, (sprach er zu dem Gichtbrüchigen):
Ich sage dir stehe auf und hebe dein Bettlein auf und gehe heim!
5:25
Und alsbald stand er auf vor ihren Augen und hob das
Bettlein auf, darauf er gelegen hatte, und ging heim und pries
Gott.
5:26
Und sie entsetzten sich alle und priesen Gott und wurden
voll Furcht und sprachen: Wir haben heute seltsame Dinge gesehen.
5:27
Und darnach ging er aus und sah einen Zöllner mit Namen Levi
am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach!
5:28
Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach.
5:29
Und Levi richtete ihm ein großes Mahl zu in seinem Hause,
und viele Zöllner und andere saßen mit ihm zu Tisch.
5:30
Und die Schriftgelehrten und Pharisäer murrten wider seine
Jünger und sprachen: Warum esset und trinket ihr mit den Zöllnern
und Sündern?
5:31
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden
bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.
5:32
Ich bin gekommen zu rufen die Sünder zur Buße, und nicht die
Gerechten.
5:33
Und sie sprachen zu ihm: Warum fasten des Johannes Jünger so
oft und beten so viel, desgleichen der Pharisäer Jünger; aber
deine Jünger essen und trinken?
5:34
Er sprach aber zu ihnen: Ihr könnt die Hochzeitleute nicht
zu fasten treiben, solange der Bräutigam bei ihnen ist.
5:35
Es wird aber die Zeit kommen, daß der Bräutigam von ihnen
genommen wird; dann werden sie fasten.
5:36
Und er sagte zu ihnen ein Gleichnis: Niemand flickt einen
Lappen von einem neuen Kleid auf ein altes Kleid; sonst zerreißt
er das neue, und der Lappen vom neuen reimt sich nicht auf das
alte.
5:37
Und niemand faßt Most in alte Schläuche; sonst zerreißt der
Most die Schläuche und wird verschüttet, und die Schläuche kommen
um.
5:38
Sondern den Most soll man in neue Schläuche fassen, so
werden sie beide erhalten.
5:39
Und niemand ist, der vom alten trinkt und wolle bald den
neuen; denn er spricht: Der alte ist milder.
6:1
Und es begab sich an einem Sabbat, daß er durchs Getreide
ging; und seine Jünger rauften Ähren aus und aßen und rieben sie
mit den Händen.
6:2
Etliche aber der Pharisäer sprachen zu ihnen: Warum tut ihr,
was sich nicht ziemt zu tun an den Sabbaten?
6:3
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht das
gelesen, was David tat, da ihn hungerte und die mit ihm waren?
6:4
wie er zum Hause Gottes einging und nahm die Schaubrote und
aß und gab auch denen, die mit ihm waren; die doch niemand durfte
essen als die Priester allein?
6:5
Und er sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist ein HERR auch
des Sabbats.
6:6
Es geschah aber an einem andern Sabbat, daß er ging in die
Schule und lehrte. Und da war ein Mensch, des rechte Hand war
verdorrt.
6:7
Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer lauerten darauf, ob
er auch heilen würde am Sabbat, auf daß sie eine Sache wider ihn
fänden.
6:8
Er aber merkte ihre Gedanken und sprach zu dem Menschen mit
der dürren Hand: Stehe auf und tritt hervor! Und er stand auf und
trat dahin.
6:9
Da sprach Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Was ziemt sich zu
tun an den Sabbaten, Gutes oder Böses? das Leben erhalten oder
verderben?
6:10
Und er sah sie alle umher an und sprach zu dem Menschen:
Strecke deine Hand aus! und er tat's; da ward ihm seine Hand
wieder zurechtgebracht, gesund wie die andere.
6:11
Sie aber wurden ganz unsinnig und beredeten sich
miteinander, was sie ihm tun wollten.
6:12
Es begab sich aber zu der Zeit, daß er ging auf einen Berg
zu beten; und er blieb über Nacht in dem Gebet zu Gott.
6:13
Und da es Tag ward, rief er seine Jünger und erwählte ihrer
zwölf, welche er auch Apostel nannte:
6:14
Simon, welchen er Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder,
Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus,
6:15
Matthäus und Thomas, Jakobus, des Alphäus Sohn, Simon
genannt Zelotes,
6:16
Judas, des Jakobus Sohn und Judas Ischariot, den Verräter.
6:17
Und er ging hernieder mit ihnen und trat auf einen Platz im
Felde und der Haufe seiner Jünger und eine große Menge des Volks
von allem jüdischen Lande und Jerusalem und Tyrus und Sidon, am
Meer gelegen,
6:18
die da gekommen waren, ihn zu hören und daß sie geheilt
würden von ihren Seuchen; und die von unsauberen Geistern
umgetrieben wurden, die wurden gesund.
6:19
Und alles Volk begehrte ihn anzurühren; denn es ging Kraft
von ihm und er heilte sie alle.
6:20
Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach:
Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.
6:21
Selig seid ihr, die ihr hier hungert; denn ihr sollt satt
werden. Selig seid ihr, die ihr hier weint; denn ihr werdet
lachen.
6:22
Selig seid ihr, so euch die Menschen hassen und euch
absondern und schelten euch und verwerfen euren Namen als einen
bösen um des Menschensohns willen.
6:23
Freut euch alsdann und hupfet; denn siehe, euer Lohn ist
groß im Himmel. Desgleichen taten ihre Väter den Propheten auch.
6:24
Aber dagegen weh euch Reichen! denn ihr habt euren Trost
dahin.
6:25
Weh euch, die ihr voll seid! denn euch wird hungern. Weh
euch, die ihr hier lachet! denn ihr werdet weinen und heulen.
6:26
Weh euch, wenn euch jedermann wohlredet! Desgleichen taten
eure Väter den falschen Propheten auch.
6:27
Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebet eure Feinde; tut
denen wohl, die euch hassen;
6:28
segnet die, so euch verfluchen und bittet für die, so euch
beleidigen.
6:29
Und wer dich schlägt auf einen Backen, dem biete den anderen
auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem wehre nicht auch den
Rock.
6:30
Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das deine nimmt, da
fordere es nicht wieder.
6:31
Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, also tut
ihnen gleich auch ihr.
6:32
Und so ihr liebet, die euch lieben, was für Dank habt ihr
davon? Denn die Sünder lieben auch ihre Liebhaber.
6:33
Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, was für Dank habt ihr
davon? Denn die Sünder tun das auch.
6:34
Und wenn ihr leihet, von denen ihr hoffet zu nehmen, was für
Dank habt ihr davon? Denn die Sünder leihen den Sündern auch, auf
daß sie Gleiches wiedernehmen.
6:35
Vielmehr liebet eure Feinde; tut wohl und leihet, daß ihr
nichts dafür hoffet, so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet
Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig über die
Undankbaren und Bösen.
6:36
Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
6:37
Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet
nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebet, so wird euch
vergeben.
6:38
Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt
und überfließend Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit
dem Maß, mit dem ihr messet, wird man euch wieder messen.
6:39
Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder
einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die
Grube fallen?
6:40
Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger
ist wie sein Meister, so ist er vollkommen.
6:41
Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge,
und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr?
6:42
Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt stille,
Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du
siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh
zuvor den Balken aus deinem Auge und siehe dann zu, daß du den
Splitter aus deines Bruders Auge ziehest!
6:43
Denn es ist kein guter Baum, der faule Frucht trage, und
kein fauler Baum, der gute Frucht trage.
6:44
Ein jeglicher Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt.
Denn man liest nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht
Trauben von den Hecken.
6:45
Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz
seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus dem
bösen Schatz seines Herzens. Denn wes das Herz voll ist, des geht
der Mund über.
6:46
Was heißet ihr mich aber HERR, HERR, und tut nicht, was ich
euch sage?
6:47
Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut sie, den will
ich euch zeigen, wem er gleich ist.
6:48
Er ist gleich einem Menschen, der ein Haus baute und grub
tief und legte den Grund auf den Fels. Da aber Gewässer kam, da
riß der Strom zum Hause zu, und konnte es nicht bewegen; denn es
war auf den Fels gegründet.
6:49
Wer aber hört und nicht tut, der ist gleich einem Menschen,
der ein Haus baute auf die Erde ohne Grund; und der Strom riß zu
ihm zu, und es fiel alsbald, und das Haus gewann einen großen
Riß.
7:1
Nachdem er aber vor dem Volk ausgeredet hatte, ging er gen
Kapernaum.
7:2
Und eines Hauptmanns Knecht lag todkrank, den er wert hielt.
7:3
Da er aber von Jesu hörte, sandte er die Ältesten der Juden
zu ihm und bat ihn, daß er käme und seinen Knecht gesund machte.
7:4
Da sie aber zu Jesu kamen, baten sie ihn mit Fleiß und
sprachen: Er ist es wert, daß du ihm das erzeigest;
7:5
denn er hat unser Volk lieb, und die Schule hat er uns
erbaut.
7:6
Jesus aber ging mit ihnen hin. Da sie aber nun nicht ferne
von dem Hause waren, sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ
ihm sagen: Ach HERR, bemühe dich nicht; ich bin nicht wert, daß
du unter mein Dach gehest;
7:7
darum habe ich auch mich selbst nicht würdig geachtet, daß
ich zu dir käme; sondern sprich ein Wort, so wird mein Knecht
gesund.
7:8
Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und
habe Kriegsknechte unter mir und spreche zu einem: Gehe hin! so
geht er hin; und zum andern: Komm her! so kommt er; und zu meinem
Knecht: Tu das! so tut er's.
7:9
Da aber Jesus das hörte, verwunderte er sich über ihn und
wandte sich um und sprach zu dem Volk, das ihm nachfolgte: Ich
sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden!
7:10
Und da die Gesandten wiederum nach Hause kamen, fanden sie
den kranken Knecht gesund.
7:11
Und es begab sich darnach, daß er in eine Stadt mit Namen
Nain ging; und seiner Jünger gingen viele mit ihm und viel Volks.
7:12
Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man
einen Toten heraus, der ein einziger Sohn war seiner Mutter, und
sie war eine Witwe; und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr.
7:13
Und da sie der HERR sah, jammerte ihn derselben, und er
sprach zu ihr: Weine nicht!
7:14
Und er trat hinzu und rührte den Sarg an; und die Träger
standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf!
7:15
Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden; und er
gab ihn seiner Mutter.
7:16
Und es kam sie alle eine Furcht an und sie priesen Gott und
sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und
Gott hat sein Volk heimgesucht.
7:17
Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land
und in alle umliegenden Länder.
7:18
Und es verkündigten Johannes seine Jünger das alles. Und er
rief zu sich seiner Jünger zwei
7:19
und sandte sie zu Jesu und ließ ihm sagen: Bist du, der da
kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?
7:20
Da aber die Männer zu ihm kamen, sprachen sie: Johannes der
Täufer hat uns zu dir gesandt und läßt dir sagen: Bist du, der da
kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?
7:21
Zu derselben Stunde aber machte er viele gesund von Seuchen
und Plagen und bösen Geistern, und vielen Blinden schenkte er das
Gesicht.
7:22
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und
verkündiget Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: die
Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, die
Tauben hören, die Toten stehen auf, den Armen wird das Evangelium
gepredigt;
7:23
und selig ist, wer sich nicht ärgert an mir.
7:24
Da aber die Boten des Johannes hingingen, fing Jesus an, zu
reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in
die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das vom Winde
bewegt wird?
7:25
Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen
Menschen sehen in weichen Kleidern? Sehet, die in herrlichen
Kleidern und Lüsten leben, die sind an den königlichen Höfen.
7:26
Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen
Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der da mehr ist denn ein
Prophet.
7:27
Er ist's, von dem geschrieben steht: "Siehe, ich sende
meinen Engel vor deinem Angesicht her, der da bereiten soll
deinen Weg vor dir".
7:28
Denn ich sage euch, daß unter denen, die von Weibern geboren
sind, ist kein größerer Prophet denn Johannes der Täufer; der
aber kleiner ist im Reiche Gottes, der ist größer denn er.
7:29
Und alles Volk, das ihn hörte, und die Zöllner gaben Gott
recht und ließen sich taufen mit der Taufe des Johannes.
7:30
Aber die Pharisäer und Schriftgelehrten verachteten Gottes
Rat wider sich selbst und ließen sich nicht von ihm taufen.
7:31
Aber der HERR sprach: Wem soll ich die Menschen dieses
Geschlechts vergleichen, und wem sind sie gleich?
7:32
Sie sind gleich den Kindern, die auf dem Markte sitzen und
rufen gegeneinander und sprechen: Wir haben euch gepfiffen, und
ihr habt nicht getanzt; wir haben euch geklagt, und ihr habt
nicht geweint.
7:33
Denn Johannes der Täufer ist gekommen und aß nicht Brot und
trank keinen Wein; so sagt ihr: Er hat den Teufel.
7:34
Des Menschen Sohn ist gekommen, ißt und trinkt; so sagt ihr:
Siehe, der Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, der Zöllner und
Sünder Freund!
7:35
Und die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von allen
ihren Kindern.
7:36
Es bat ihn aber der Pharisäer einer, daß er mit ihm äße. Und
er ging hinein in des Pharisäers Haus und setzte sich zu Tisch.
7:37
Und siehe, ein Weib war in der Stadt, die war eine Sünderin.
Da die vernahm, daß er zu Tische saß in des Pharisäers Hause,
brachte sie ein Glas mit Salbe
7:38
und trat hinten zu seinen Füßen und weinte und fing an,
seine Füße zu netzen mit Tränen und mit den Haaren ihres Hauptes
zu trocknen, und küßte seine Füße und salbte sie mit Salbe.
7:39
Da aber das der Pharisäer sah, der ihn geladen hatte, sprach
er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so
wüßte er, wer und welch ein Weib das ist, die ihn anrührt; denn
sie ist eine Sünderin.
7:40
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir
etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sage an.
7:41
Es hatte ein Gläubiger zwei Schuldner. Einer war schuldig
fünfhundert Groschen, der andere fünfzig.
7:42
Da sie aber nicht hatten, zu bezahlen, schenkte er's beiden.
Sage an, welcher unter denen wird ihn am meisten lieben?
7:43
Simon antwortete und sprach: Ich achte, dem er am meisten
geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht gerichtet.
7:44
Und er wandte sich zu dem Weibe und sprach zu Simon: Siehest
du dies Weib? Ich bin gekommen in dein Haus; du hast mir nicht
Wasser gegeben zu meinen Füßen; diese aber hat meine Füße mit
Tränen genetzt und mit den Haaren ihres Hauptes getrocknet.
7:45
Du hast mir keinen Kuß gegeben; diese aber, nachdem sie
hereingekommen ist, hat sie nicht abgelassen, meine Füße zu
küssen.
7:46
Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine
Füße mit Salbe gesalbt.
7:47
Derhalben sage ich dir: Ihr sind viele Sünden vergeben, denn
sie hat viel geliebt; welchem aber wenig vergeben wird, der liebt
wenig.
7:48
Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben.
7:49
Da fingen die an, die mit zu Tische saßen, und sprachen bei
sich selbst: Wer ist dieser, der auch Sünden vergibt?
7:50
Er aber sprach zu dem Weibe: Dein Glaube hat dir geholfen;
gehe hin mit Frieden!
8:1
Und es begab sich darnach, daß er reiste durch Städte und
Dörfer und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich
Gottes; und die zwölf mit ihm,
8:2
dazu etliche Weiber, die er gesund hatte gemacht von den
bösen Geistern und Krankheiten, nämlich Maria, die da Magdalena
heißt, von welcher waren sieben Teufel ausgefahren,
8:3
und Johanna, das Weib Chusas, des Pflegers des Herodes, und
Susanna und viele andere, die ihm Handreichung taten von ihrer
Habe.
8:4
Da nun viel Volks beieinander war und sie aus den Städten zu
ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis:
8:5
Es ging ein Säemann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er
säte, fiel etliches an den Weg und ward zertreten und die Vögel
unter dem Himmel fraßen's auf.
8:6
Und etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrte
es, darum daß es nicht Saft hatte.
8:7
Und etliches fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen
gingen mit auf und erstickten's.
8:8
Und etliches fiel auf ein gutes Land; und es ging auf und
trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren
hat, zu hören, der höre!
8:9
Es fragten ihn aber seine Jünger und sprachen, was dies
Gleichnis wäre?
8:10
Er aber sprach: Euch ist es gegeben, zu wissen das Geheimnis
des Reiches Gottes; den andern aber in Gleichnissen, daß sie es
nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie
es schon hören.
8:11
Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes.
8:12
Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach
kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie
nicht glauben und selig werden.
8:13
Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen
sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel; eine
Zeitlang glauben sie, und zur Zeit der Anfechtung fallen sie ab.
8:14
Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören und
gehen hin unter den Sorgen, Reichtum und Wollust dieses Lebens
und ersticken und bringen keine Frucht.
8:15
Das aber auf dem guten Land sind, die das Wort hören und
behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in
Geduld.
8:16
Niemand aber zündet ein Licht an und bedeckt's mit einem
Gefäß oder setzt es unter eine Bank; sondern er setzt es auf
einen Leuchter, auf daß, wer hineingeht, das Licht sehe.
8:17
Denn nichts ist verborgen, das nicht offenbar werde, auch
nichts Heimliches, das nicht kund werde und an den Tag komme.
8:18
So sehet nun darauf wie ihr zuhöret. Denn wer da hat, dem
wird gegeben; wer aber nicht hat, von dem wird genommen, auch was
er meint zu haben.
8:19
Es gingen aber hinzu seine Mutter und Brüder und konnten vor
dem Volk nicht zu ihm kommen.
8:20
Und es ward ihm angesagt: Deine Mutter und deine Brüder
stehen draußen und wollen dich sehen.
8:21
Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und
meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun.
8:22
Und es begab sich an der Tage einem, daß er in ein Schiff
trat samt seinen Jüngern; und er sprach zu ihnen: Laßt uns über
den See fahren. Und sie stießen vom Lande.
8:23
Und da sie schifften, schlief er ein. Und es kam ein
Windwirbel auf den See, und die Wellen überfielen sie, und sie
standen in großer Gefahr.
8:24
Da traten sie zu ihm und weckten ihn auf und sprachen:
Meister, Meister, wir verderben! Da stand er auf und bedrohte den
Wind und die Woge des Wassers; und es ließ ab, und ward eine
Stille.
8:25
Er aber sprach zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie fürchteten
sich aber und verwunderten sich und sprachen untereinander: Wer
ist dieser? denn er gebietet dem Winde und dem Wasser, und sie
sind ihm gehorsam.
8:26
Und sie schifften fort in die Gegend der Gadarener, welche
ist Galiläa gegenüber.
8:27
Und als er austrat auf das Land, begegnete ihm ein Mann aus
der Stadt, der hatte Teufel von langer Zeit her und tat keine
Kleider an und blieb in keinem Hause, sondern in den Gräbern.
8:28
Da er aber Jesum sah, schrie er und fiel vor ihm nieder und
rief laut und sprach: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesu, du
Sohn Gottes, des Allerhöchsten? Ich bitte dich, du wollest mich
nicht quälen.
8:29
Denn er gebot dem unsauberen Geist, daß er von dem Menschen
ausführe. Denn er hatte ihn lange Zeit geplagt, und er ward mit
Ketten gebunden und mit Fesseln gefangen, und zerriß die Bande
und ward getrieben von dem Teufel in die Wüsten.
8:30
Und Jesus fragte ihn und sprach: Wie heißest du? Er sprach:
Legion; denn es waren viel Teufel in ihn gefahren.
8:31
Und sie baten ihn, daß er sie nicht hieße in die Tiefe
fahren.
8:32
Es war aber daselbst eine große Herde Säue auf der Weide auf
dem Berge. Und sie baten ihn, daß er ihnen erlaubte in sie zu
fahren. Und er erlaubte es ihnen.
8:33
Da fuhren die Teufel aus von dem Menschen und fuhren in die
Säue; und die Herde stürzte sich von dem Abhange in den See und
ersoff.
8:34
Da aber die Hirten sahen, was da geschah, flohen sie und
verkündigten es in der Stadt und in den Dörfern.
8:35
Da gingen sie hinaus, zu sehen, was da geschehen war, und
kamen zu Jesu und fanden den Menschen, von welchem die Teufel
ausgefahren waren, sitzend zu den Füßen Jesu, bekleidet und
vernünftig, und erschraken.
8:36
Und die es gesehen hatten, verkündigten's ihnen, wie der
Besessene war gesund geworden.
8:37
Und es bat ihn die ganze Menge des umliegenden Landes der
Gadarener, daß er von ihnen ginge; denn es war sie eine große
Furcht angekommen. Und er trat in das Schiff und wandte wieder
um.
8:38
Es bat ihn aber der Mann, von dem die Teufel ausgefahren
waren, daß er bei ihm möchte sein. Aber Jesus ließ ihn von sich
und sprach:
8:39
Gehe wieder heim und sage, wie große Dinge dir Gott getan
hat. Und er ging hin und verkündigte durch die ganze Stadt, wie
große Dinge ihm Jesus getan hatte.
8:40
Und es begab sich, da Jesus wiederkam, nahm ihn das Volk
auf; denn sie warteten alle auf ihn.
8:41
Und siehe, da kam ein Mann mit Namen Jairus, der ein
Oberster der Schule war, und fiel Jesu zu den Füßen und bat ihn,
daß er wollte in sein Haus kommen;
8:42
denn er hatte eine einzige Tochter bei zwölf Jahren, die lag
in den letzten Zügen. Und da er hinging, drängte ihn das Volk.
8:43
Und ein Weib hatte den Blutgang zwölf Jahre gehabt; die
hatte alle ihre Nahrung an die Ärzte gewandt, und konnte von
niemand geheilt werden;
8:44
die trat hinzu von hinten und rührte seines Kleides Saum an;
und alsobald stand ihr der Blutgang.
8:45
Und Jesus sprach: Wer hat mich angerührt? Da sie aber alle
leugneten, sprach Petrus und die mit ihm waren: Meister, das Volk
drängt und drückt dich, und du sprichst: Wer hat mich angerührt?
8:46
Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn ich
fühle, daß eine Kraft von mir gegangen ist.
8:47
Da aber das Weib sah, daß es nicht verborgen war, kam sie
mit Zittern und fiel vor ihm nieder und verkündigte vor allem
Volk, aus welcher Ursache sie ihn hätte angerührt und wie sie
wäre alsbald gesund geworden.
8:48
Er aber sprach zu ihr: Sei getrost, meine Tochter, dein
Glaube hat dir geholfen. Gehe hin mit Frieden!
8:49
Da er noch redete, kam einer vom Gesinde des Obersten der
Schule und sprach zu ihm: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den
Meister nicht.
8:50
Da aber Jesus das hörte, antwortete er ihm und sprach:
Fürchte dich nicht, glaube nur, so wird sie gesund!
8:51
Da er aber in das Haus kam, ließ er niemand hineingehen denn
Petrus und Jakobus und Johannes und des Kindes Vater und Mutter.
8:52
Sie weinten aber alle und klagten um sie. Er aber sprach:
Weinet nicht, sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft.
8:53
Und sie verlachten ihn, wußten wohl, daß sie gestorben war.
8:54
Er aber trieb sie alle hinaus, nahm sie bei der Hand und
rief und sprach: Kind, stehe auf!
8:55
Und ihr Geist kam wieder, und sie stand alsobald auf. Und er
befahl, man sollte ihr zu essen geben.
8:56
Und ihre Eltern entsetzten sich. Er aber gebot ihnen, daß
sie niemand sagten, was geschehen war.
9:1
Er forderte aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Gewalt und
Macht über alle Teufel und daß sie Seuchen heilen konnten,
9:2
und sandte sie aus, zu predigen das Reich Gottes und zu
heilen die Kranken.
9:3
Und sprach zu ihnen: Ihr sollt nichts mit euch nehmen auf den
Weg, weder Stab noch Tasche noch Brot noch Geld; es soll auch
einer nicht zwei Röcke haben.
9:4
Und wo ihr in ein Haus geht, da bleibet, bis ihr von dannen
zieht.
9:5
Und welche euch nicht aufnehmen, da gehet aus von derselben
Stadt und schüttelt auch den Staub ab von euren Füßen zu einem
Zeugnis über sie.
9:6
Und sie gingen hinaus und durchzogen die Märkte, predigten
das Evangelium und machten gesund an allen Enden.
9:7
Es kam aber vor Herodes, den Vierfürsten, alles, was durch
ihn geschah; und er ward betreten, dieweil von etlichen gesagt
ward; Johannes ist von den Toten auferstanden;
9:8
von etlichen aber: Elia ist erschienen; von etlichen aber: Es
ist der alten Propheten einer auferstanden.
9:9
Und Herodes sprach: Johannes, den habe ich enthauptet; wer
ist aber dieser, von dem ich solches höre? und begehrte ihn zu
sehen.
9:10
Und die Apostel kamen wieder und erzählten ihm, wie große
Dinge sie getan hatten. Und er nahm sie zu sich und entwich
besonders in eine Wüste bei der Stadt, die da heißt Bethsaida.
9:11
Da das Volk des inneward, zog es ihm nach. Und er ließ sie
zu sich und sagte ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die
es bedurften. Aber der Tag fing an, sich zu neigen.
9:12
Da traten zu ihm die Zwölf und sprachen zu ihm: Laß das Volk
von dir, daß sie hingehen in die Märkte umher und in die Dörfer,
daß sie Herberge und Speise finden, denn wir sind hier in der
Wüste.
9:13
Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie
sprachen, wir haben nicht mehr denn fünf Brote und zwei Fische;
es sei denn, daß wir hingehen sollen und Speise kaufen für so
großes Volk.
9:14
(Denn es waren bei fünftausend Mann.) Er sprach aber zu
seinen Jüngern: Lasset sie sich setzen in Schichten, je fünfzig
und fünfzig.
9:15
Und sie taten also, und es setzten sich alle.
9:16
Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf gen
Himmel und dankte darüber, brach sie und gab sie den Jüngern, daß
sie dem Volk vorlegten.
9:17
Und sie aßen und wurden alle satt; und wurden aufgehoben,
was ihnen übrigblieb von Brocken, zwölf Körbe.
9:18
Und es begab sich, da er allein war und betete und seine
Jünger zu ihm traten, fragte er sie und sprach: Wer sagen die
Leute, daß ich sei?
9:19
Sie antworteten und sprachen: Sie sagen, du seist Johannes
der Täufer; etliche aber, du seist Elia; etliche aber, es sei der
alten Propheten einer auferstanden.
9:20
Er aber sprach zu ihnen: Wer saget ihr aber, daß ich sei? Da
antwortete Petrus und sprach: Du bist der Christus Gottes!
9:21
Und er bedrohte sie und gebot, daß sie das niemand sagten,
9:22
und sprach: Des Menschen Sohn muß noch viel leiden und
verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und
Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage
auferstehen.
9:23
Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der
verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und
folge mir nach.
9:24
Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren;
wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's
erhalten.
9:25
Und welchen Nutzen hätte der Mensch, ob er die ganze Welt
gewönne, und verlöre sich selbst oder beschädigte sich selbst?
9:26
Wer sich aber mein und meiner Worte schämt, des wird sich
des Menschen Sohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner
Herrlichkeit und seines Vaters und der heiligen Engel.
9:27
Ich sage euch aber wahrlich, daß etliche sind von denen, die
hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis daß sie das
Reich Gottes sehen.
9:28
Und es begab sich nach diesen Reden bei acht Tagen, daß er
zu sich nahm Petrus, Johannes und Jakobus und ging auf einen
Berg, zu beten.
9:29
Und da er betete, ward die Gestalt seines Angesichts anders,
und sein Kleid ward weiß und glänzte.
9:30
Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm, welche waren Mose
und Elia;
9:31
die erschienen in Klarheit und redeten von dem Ausgang,
welchen er sollte erfüllen zu Jerusalem.
9:32
Petrus aber, und die mit ihm waren, waren voll Schlafs. Da
sie aber aufwachten, sahen sie seine Klarheit und die zwei Männer
bei ihm stehen.
9:33
Und es begab sich, da die von ihm wichen, sprach Petrus zu
Jesu: Meister, hier ist gut sein. Lasset uns drei Hütten machen:
dir eine, Mose eine und Elia eine. Und er wußte nicht, was er
redete.
9:34
Da er aber solches redete, kam eine Wolke und überschattete
sie; und sie erschraken, da sie die Wolke überzog.
9:35
Und es fiel eine Stimme aus der Wolke, die sprach: Dieser
ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören!
9:36
Und indem solche Stimme geschah, fanden sie Jesum allein.
Und sie verschwiegen es und verkündigten niemand in jenen Tagen,
was sie gesehen hatten.
9:37
Es begab sich aber den Tag hernach, da sie von dem Berge
kamen, kam ihnen entgegen viel Volks.
9:38
Und siehe, ein Mann unter dem Volk rief und sprach: Meister,
ich bitte dich, besiehe doch meinen Sohn, denn er ist mein
einziger Sohn.
9:39
Siehe, der Geist ergreift ihn, so schreit er alsbald, und
reißt ihn, daß er schäumt, und mit Not weicht er von ihm, wenn er
ihn gerissen hat.
9:40
Und ich habe deine Jünger gebeten, daß sie ihn austrieben,
und sie konnten nicht.
9:41
Da antwortete Jesus und sprach: O du ungläubige und
verkehrte Art, wie lange soll ich bei euch sein und euch dulden?
Bringe deinen Sohn her!
9:42
Und da er zu ihm kam, riß ihn der Teufel und zerrte ihn.
Jesus aber bedrohte den unsauberen Geist und machte den Knaben
gesund und gab ihn seinem Vater wieder.
9:43
Und sie entsetzten sich alle über die Herrlichkeit Gottes.
Da sie sich aber alle verwunderten über alles, was er tat, sprach
er zu seinen Jüngern:
9:44
Fasset ihr zu euren Ohren diese Rede: Des Menschen Sohn muß
überantwortet werden in der Menschen Hände.
9:45
Aber das Wort verstanden sie nicht, und es ward vor ihnen
verborgen, daß sie es nicht begriffen. Und sie fürchteten sich,
ihn zu fragen um dieses Wort.
9:46
Es kam auch ein Gedanke unter sie, welcher unter ihnen der
Größte wäre.
9:47
Da aber Jesus den Gedanken ihres Herzens sah, ergriff er ein
Kind und stellte es neben sich
9:48
und sprach zu ihnen: Wer dies Kind aufnimmt in meinem Namen,
der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der
mich gesandt hat. Welcher aber der Kleinste ist unter euch allen,
der wird groß sein.
9:49
Da antwortete Johannes und sprach: Meister, wir sahen einen,
der trieb die Teufel aus in deinem Namen; und wir wehrten ihm,
denn er folgt dir nicht mit uns.
9:50
Und Jesus sprach zu ihm: Wehret ihm nicht; denn wer nicht
wider uns ist, der ist für uns.
9:51
Es begab sich aber, da die Zeit erfüllet war, daß er sollte
von hinnen genommen werden, wendete er sein Angesicht, stracks
gen Jerusalem zu wandeln.
9:52
Und er sandte Boten vor sich hin; die gingen hin und kamen
in einen Markt der Samariter, daß sie ihm Herberge bestellten.
9:53
Und sie nahmen ihn nicht an, darum daß er sein Angesicht
gewendet hatte, zu wandeln gen Jerusalem.
9:54
Da aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen,
sprachen sie: HERR, willst du, so wollen wir sagen, daß Feuer vom
Himmel falle und verzehre sie, wie Elia tat.
9:55
Jesus aber wandte sich um und bedrohte sie und sprach:
Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?
9:56
Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, der Menschen Seelen zu
verderben, sondern zu erhalten.
9:57
Und sie gingen in einen anderen Markt. Es begab sich aber,
da sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir
folgen, wo du hin gehst.
9:58
Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die
Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat
nicht, da er sein Haupt hin lege.
9:59
Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach
aber: HERR, erlaube mir, daß ich zuvor hingehe und meinen Vater
begrabe.
9:60
Aber Jesus sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben;
gehe du aber hin und verkündige das Reich Gottes!
9:61
Und ein anderer sprach: HERR, ich will dir nachfolgen; aber
erlaube mir zuvor, daß ich einen Abschied mache mit denen, die in
meinem Hause sind.
9:62
Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt
und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes.
10:1
Darnach sonderte der HERR andere siebzig aus und sandte sie
je zwei und zwei vor ihm her in alle Städte und Orte, da er
wollte hinkommen,
10:2
und sprach zu ihnen: Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber
sind wenige. Bittet den HERRN der Ernte, daß er Arbeiter aussende
in seine Ernte.
10:3
Gehet hin; siehe, ich sende euch als die Lämmer mitten unter
die Wölfe.
10:4
Tragt keinen Beutel noch Tasche noch Schuhe und grüßet
niemand auf der Straße.
10:5
Wo ihr in ein Haus kommt, da sprecht zuerst: Friede sei in
diesem Hause!
10:6
Und so daselbst wird ein Kind des Friedens sein, so wird euer
Friede auf ihm beruhen; wo aber nicht, so wird sich euer Friede
wieder zu euch wenden.
10:7
In dem Hause aber bleibet, esset und trinket, was sie haben;
denn ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Ihr sollt nicht von
einem Hause zum anderen gehen.
10:8
Und wo ihr in eine Stadt kommt und sie euch aufnehmen, da
esset, was euch wird vorgetragen;
10:9
und heilet die Kranken, die daselbst sind, und saget ihnen:
Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.
10:10
Wo ihr aber in eine Stadt kommt, da sie euch nicht
aufnehmen, da geht heraus auf ihre Gassen und sprecht:
10:11
Auch den Staub, der sich an uns gehängt hat von eurer Stadt,
schlagen wir ab auf euch; doch sollt ihr wissen, daß euch das
Reich Gottes nahe gewesen ist.
10:12
Ich sage euch: Es wird Sodom erträglicher gehen an jenem
Tage denn solcher Stadt.
10:13
Weh dir Chorazin! Weh dir Bethsaida! Denn wären solche Taten
zu Tyrus oder Sidon geschehen, die bei euch geschehen sind, sie
hätten vorzeiten im Sack und in der Asche gesessen und Buße
getan.
10:14
Doch es wird Tyrus und Sidon erträglicher gehen im Gericht
als euch.
10:15
Und du, Kapernaum, die du bis an den Himmel erhoben bist, du
wirst in die Hölle hinunter gestoßen werden.
10:16
Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der
verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der
mich gesandt hat.
10:17
Die Siebzig aber kamen wieder mit Freuden und sprachen:
HERR, es sind uns auch die Teufel untertan in deinem Namen.
10:18
Er sprach aber zu ihnen: Ich sah wohl den Satanas vom Himmel
fallen als einen Blitz.
10:19
Sehet, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen
und Skorpione, und über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird
euch beschädigen.
10:20
Doch darin freuet euch nicht, daß euch die Geister untertan
sind. Freuet euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben
sind.
10:21
Zu der Stunde freute sich Jesus im Geist und sprach: Ich
preise dich, Vater und HERR des Himmels und der Erde, daß du
solches verborgen hast den Weisen und Klugen, und hast es
offenbart den Unmündigen. Ja, Vater, also war es wohlgefällig vor
dir.
10:22
Es ist mir alles übergeben von meinem Vater. Und niemand
weiß, wer der Sohn sei, denn nur der Vater; noch wer der Vater
sei, denn nur der Sohn und welchem es der Sohn will offenbaren.
10:23
Und er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach
insonderheit: Selig sind die Augen, die da sehen, was ihr sehet.
10:24
Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten
sehen, was ihr sehet, und haben's nicht gesehen, und hören, was
ihr höret, und haben's nicht gehört.
10:25
Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn
und sprach: Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben
ererbe?
10:26
Er aber sprach zu ihm: Wie steht im Gesetz geschrieben? Wie
lieset du?
10:27
Er antwortete und sprach: "Du sollst Gott, deinen HERRN,
lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und
von ganzem Gemüte und deinen Nächsten als dich selbst."
10:28
Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue das,
so wirst du leben.
10:29
Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu
Jesus: "Wer ist denn mein Nächster?"
10:30
Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging
von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die
zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn
halbtot liegen.
10:31
Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbe
Straße hinabzog; und da er ihn sah, ging er vorüber.
10:32
Desgleichen auch ein Levit; da er kam zu der Stätte und sah
ihn, ging er vorüber.
10:33
Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn sah,
jammerte ihn sein,
10:34
ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß darein Öl und
Wein und hob ihn auf sein Tier und führte ihn in die Herberge und
pflegte sein.
10:35
Des anderen Tages reiste er und zog heraus zwei Groschen und
gab sie dem Wirte und sprach zu ihm: Pflege sein; und so du was
mehr wirst dartun, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme.
10:36
Welcher dünkt dich, der unter diesen Dreien der Nächste sei
gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war?
10:37
Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihn tat. Da sprach
Jesus zu ihm: So gehe hin und tue desgleichen!
10:38
Es begab sich aber, da sie wandelten, ging er in einen
Markt. Da war ein Weib mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr
Haus.
10:39
Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte
sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu.
10:40
Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und
sie trat hinzu und sprach: HERR, fragst du nicht darnach, daß
mich meine Schwester läßt allein dienen? Sage ihr doch, daß sie
es auch angreife!
10:41
Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du
hast viel Sorge und Mühe;
10:42
eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll
nicht von ihr genommen werden.
11:1
Und es begab sich, daß er war an einem Ort und betete. Und da
er aufgehört hatte, sprach seiner Jünger einer zu ihm: HERR,
lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.
11:2
Und er sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Unser
Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.
11:3
Gib uns unser täglich Brot immerdar.
11:4
Und vergib uns unsre Sünden, denn auch wir vergeben allen,
die uns schuldig sind. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern
erlöse uns von dem Übel.
11:5
Und er sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, der einen
Freund hat und ginge zu ihm zu Mitternacht und spräche zu ihm:
Lieber Freund, leihe mir drei Brote;
11:6
denn es ist mein Freund zu mir gekommen von der Straße, und
ich habe nicht, was ich ihm vorlege;
11:7
und er drinnen würde antworten und sprechen: Mache mir keine
Unruhe! die Tür ist schon zugeschlossen, und meine Kindlein sind
bei mir in der Kammer; ich kann nicht aufstehen und dir geben.
11:8
Ich sage euch: Und ob er nicht aufsteht und gibt ihm, darum
daß er sein Freund ist, so wird er doch um seines unverschämten
Geilens willen aufstehen und ihm geben, wieviel er bedarf.
11:9
Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet,
so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.
11:10
Denn wer da bittet, der nimmt; und wer da sucht, der findet;
und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
11:11
Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater ums Brot, der ihm
einen Stein dafür biete? und, so er um einen Fisch bittet, der
ihm eine Schlange für den Fisch biete?
11:12
oder, so er um ein Ei bittet, der ihm einen Skorpion dafür
biete?
11:13
So denn ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute
Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen
Geist geben denen, die ihn bitten!
11:14
Und er trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und es
geschah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. Und das
Volk verwunderte sich.
11:15
Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Teufel aus
durch Beelzebub, den Obersten der Teufel.
11:16
Die andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von
ihm vom Himmel.
11:17
Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Ein
jeglich Reich, so es mit sich selbst uneins wird, das wird wüst;
und ein Haus fällt über das andere.
11:18
Ist denn der Satanas auch mit sich selbst uneins, wie will
sein Reich bestehen? dieweil ihr sagt, ich treibe die Teufel aus
durch Beelzebub.
11:19
So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen
treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein.
11:20
So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so
kommt ja das Reich Gottes zu euch.
11:21
Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahrt, so
bleibt das seine mit Frieden.
11:22
Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn,
so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und
teilt den Raub aus.
11:23
Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit
mir sammelt, der zerstreut.
11:24
Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfährt, so
durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht,
so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich
gegangen bin.
11:25
Und wenn er kommt, so findet er's gekehrt und geschmückt.
11:26
Dann geht er hin und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger
sind denn er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie da,
und es wird hernach mit demselben Menschen ärger denn zuvor.
11:27
Und es begab sich, da er solches redete, erhob ein Weib im
Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich
getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast.
11:28
Er aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören
und bewahren.
11:29
Das Volk aber drang hinzu. Da fing er an und sagte: Dies ist
eine arge Art; sie begehrt ein Zeichen, und es wird ihr kein
Zeichen gegeben denn nur das Zeichen des Propheten Jona.
11:30
Denn wie Jona ein Zeichen war den Niniviten, also wird des
Menschen Sohn sein diesem Geschlecht.
11:31
Die Königin von Mittag wird auftreten vor dem Gericht mit
den Leuten dieses Geschlechts und wird sie verdammen; denn sie
kam von der Welt Ende, zu hören die Weisheit Salomos. Und siehe,
hier ist mehr denn Salomo.
11:32
Die Leute von Ninive werden auftreten vor dem Gericht mit
diesem Geschlecht und werden's verdammen; denn sie taten Buße
nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr denn Jona.
11:33
Niemand zündet ein Licht an und setzt es an einen heimlichen
Ort, auch nicht unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter,
auf daß, wer hineingeht, das Licht sehe.
11:34
Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn nun dein Auge einfältig
ist, so ist dein ganzer Leib licht; so aber dein Auge ein Schalk
ist, so ist auch dein Leib finster.
11:35
So schaue darauf, daß nicht das Licht in dir Finsternis sei.
11:36
Wenn nun dein Leib ganz licht ist, daß er kein Stück von
Finsternis hat, so wird er ganz licht sein, wie wenn ein Licht
mit hellem Blitz dich erleuchtet.
11:37
Da er aber in der Rede war, bat ihn ein Pharisäer, daß er
mit ihm das Mittagsmahl äße. Und er ging hinein und setzte sich
zu Tische.
11:38
Da das der Pharisäer sah, verwunderte er sich, daß er sich
nicht vor dem Essen gewaschen hätte.
11:39
Der HERR aber sprach zu ihm: Ihr Pharisäer haltet die Becher
und Schüsseln auswendig reinlich, aber euer Inwendiges ist voll
Raubes und Bosheit.
11:40
Ihr Narren, meinet ihr, daß es inwendig rein sei, wenn's
auswendig rein ist?
11:41
Doch gebt Almosen von dem, was da ist, siehe, so ist's euch
alles rein.
11:42
Aber weh euch Pharisäern, daß ihr verzehnt die Minze und
Raute und allerlei Kohl, und geht vorbei an dem Gericht und an
der Liebe Gottes! Dies sollte man tun und jenes nicht lassen.
11:43
Weh euch Pharisäern, daß ihr gerne obenan sitzt in den
Schulen und wollt gegrüßt sein auf dem Markte.
11:44
Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, daß
ihr seid wie die verdeckten Totengräber, darüber die Leute
laufen, und kennen sie nicht!
11:45
Da antwortete einer von den Schriftgelehrten und sprach zu
ihm: Meister, mit den Worten schmähst du uns auch.
11:46
Er aber sprach: Und weh auch euch Schriftgelehrten! denn ihr
beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten, und ihr rührt sie
nicht mit einem Finger an.
11:47
Weh euch! denn ihr baut der Propheten Gräber; eure Väter
aber haben sie getötet.
11:48
So bezeugt ihr und willigt in eurer Väter Werke; denn sie
töteten sie, so baut ihr ihre Gräber.
11:49
Darum spricht die Weisheit Gottes: Ich will Propheten und
Apostel zu ihnen senden, und derselben werden sie etliche töten
und verfolgen;
11:50
auf daß gefordert werde von diesem Geschlecht aller
Propheten Blut, das vergossen ist, seit der Welt Grund gelegt
ist,
11:51
von Abels Blut an bis auf das Blut des Zacharias, der umkam
zwischen dem Altar und Tempel. Ja, ich sage euch: Es wird
gefordert werden von diesem Geschlecht.
11:52
Weh euch Schriftgelehrten! denn ihr habt den Schlüssel der
Erkenntnis weggenommen. Ihr kommt nicht hinein und wehret denen,
die hinein wollen.
11:53
Da er aber solches zu ihnen sagte, fingen an die
Schriftgelehrten und Pharisäer, hart auf ihn zu dringen und ihm
mit mancherlei Fragen zuzusetzen,
11:54
und lauerten auf ihn und suchten, ob sie etwas erjagen
könnten aus seinem Munde, daß sie eine Sache wider ihn hätten.
12:1
Es lief das Volk zu und kamen etliche Tausend zusammen, also
daß sie sich untereinander traten. Da fing er an und sagte zu
seinen Jüngern: Zum ersten hütet euch vor dem Sauerteig der
Pharisäer, welches ist die Heuchelei.
12:2
Es ist aber nichts verborgen, das nicht offenbar werde, noch
heimlich, das man nicht wissen werde.
12:3
Darum, was ihr in der Finsternis saget, das wird man im Licht
hören; was ihr redet ins Ohr in den Kammern, das wird man auf den
Dächern predigen.
12:4
Ich sage euch aber, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor
denen die den Leib töten, und darnach nichts mehr tun können.
12:5
Ich will euch aber zeigen, vor welchem ihr euch fürchten
sollt: Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch
Macht hat, zu werfen in die Hölle. Ja, ich sage euch, vor dem
fürchtet euch.
12:6
Verkauft man nicht fünf Sperlinge um zwei Pfennige? Dennoch
ist vor Gott deren nicht eines vergessen.
12:7
Aber auch die Haare auf eurem Haupt sind alle gezählt. Darum
fürchtet euch nicht; ihr seid besser denn viele Sperlinge.
12:8
Ich aber sage euch: Wer mich bekennet vor den Menschen, den
wird auch des Menschen Sohn bekennen vor den Engeln Gottes.
12:9
Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, der wird
verleugnet werden vor den Engeln Gottes.
12:10
Und wer da redet ein Wort wider des Menschen Sohn, dem soll
es vergeben werden; wer aber lästert den heiligen Geist, dem soll
es nicht vergeben werden.
12:11
Wenn sie euch aber führen werden in ihre Schulen und vor die
Obrigkeit und vor die Gewaltigen, so sorget nicht, wie oder was
ihr antworten oder was ihr sagen sollt;
12:12
denn der heilige Geist wird euch zu derselben Stunde lehren,
was ihr sagen sollt.
12:13
Es sprach aber einer aus dem Volk zu ihm: Meister, sage
meinem Bruder, daß er mit mir das Erbe teile.
12:14
Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder
Erbschichter über euch gesetzt?
12:15
Und er sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem
Geiz; denn niemand lebt davon, daß er viele Güter hat.
12:16
Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein
reicher Mensch, das Feld hatte wohl getragen.
12:17
Und er gedachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich
tun? Ich habe nicht, da ich meine Früchte hin sammle.
12:18
Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen
abbrechen und größere bauen und will drein sammeln alles, was mir
gewachsen ist, und meine Güter;
12:19
und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen
großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe
guten Mut!
12:20
Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! diese Nacht wird man deine
Seele von dir fordern; und wes wird's sein, das du bereitet hast?
12:21
Also geht es, wer sich Schätze sammelt und ist nicht reich
in Gott.
12:22
Er sprach aber zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch:
Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen sollt, auch nicht für
euren Leib, was ihr antun sollt.
12:23
Das Leben ist mehr denn die Speise, und der Leib mehr denn
die Kleidung.
12:24
Nehmet wahr der Raben: die sähen nicht, sie ernten auch
nicht, sie haben auch keinen Keller noch Scheune; und Gott nährt
sie doch. Wie viel aber seid ihr besser denn die Vögel!
12:25
Welcher ist unter euch, ob er schon darum sorget, der da
könnte eine Elle seiner Länge zusetzen?
12:26
So ihr denn das Geringste nicht vermöget, warum sorgt ihr
für das andere?
12:27
Nehmet wahr der Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie
arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch aber, daß
auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht ist bekleidet
gewesen als deren eines.
12:28
So denn das Gras, das heute auf dem Felde steht und morgen
in den Ofen geworfen wird, Gott also kleidet, wie viel mehr wird
er euch kleiden, ihr Kleingläubigen!
12:29
Darum auch ihr, fraget nicht darnach, was ihr essen oder was
ihr trinken sollt, und fahret nicht hoch her.
12:30
Nach solchem allen trachten die Heiden in der Welt; aber
euer Vater weiß wohl, das ihr des bedürfet.
12:31
Doch trachtet nach dem Reich Gottes, so wird euch das alles
zufallen.
12:32
Fürchte dich nicht, du kleine Herde! denn es ist eures
Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.
12:33
Verkaufet, was ihr habt, und gebt Almosen. Machet euch
Beutel, die nicht veralten, einen Schatz, der nimmer abnimmt, im
Himmel, da kein Dieb zukommt, und den keine Motten fressen.
12:34
Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.
12:35
Lasset eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen
12:36
und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten,
wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf daß, wenn er kommt
und anklopft, sie ihm alsbald auftun.
12:37
Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend
findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich aufschürzen und
wird sie zu Tische setzen und vor ihnen gehen und ihnen dienen.
12:38
Und so er kommt in der anderen Wache und in der dritten
Wache und wird's also finden: selig sind diese Knechte.
12:39
Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr wüßte, zu
welcher Stunde der Dieb käme, so wachte er und ließe nicht in
sein Haus brechen.
12:40
Darum seid auch ihr bereit; denn des Menschen Sohn wird
kommen zu der Stunde, da ihr's nicht meinet.
12:41
Petrus aber sprach zu ihm: HERR, sagst du dies Gleichnis zu
uns oder auch zu allen?
12:42
Der HERR aber sprach: Wie ein großes Ding ist's um einen
treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr setzt über sein
Gesinde, daß er ihnen zur rechten Zeit ihre Gebühr gebe!
12:43
Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet tun also,
wenn er kommt.
12:44
Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter
setzen.
12:45
So aber der Knecht in seinem Herzen sagen wird: Mein Herr
verzieht zu kommen, und fängt an, zu schlagen die Knechte und
Mägde, auch zu essen und zu trinken und sich vollzusaufen:
12:46
so wird des Knechtes Herr kommen an dem Tage, da er sich's
nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht weiß, und wird
ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den
Ungläubigen.
12:47
Der Knecht aber, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich
nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen getan, der wird
viel Streiche leiden müssen.
12:48
Der es aber nicht weiß, hat aber getan, was der Streiche
wert ist, wird wenig Streiche leiden. Denn welchem viel gegeben
ist, bei dem wird man viel suchen; und welchem viel befohlen ist,
von dem wird man viel fordern.
12:49
Ich bin gekommen, daß ich ein Feuer anzünde auf Erden; was
wollte ich lieber, denn es brennete schon!
12:50
Aber ich muß mich zuvor taufen lassen mit einer Taufe; wie
ist mir so bange, bis sie vollendet werde!
12:51
Meinet ihr, daß ich hergekommen bin, Frieden zu bringen auf
Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht.
12:52
Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei
wider zwei, und zwei wider drei.
12:53
Es wird sein der Vater wider den Sohn, und der Sohn wider
den Vater; die Mutter wider die Tochter, und die Tochter wider
die Mutter; die Schwiegermutter wider die Schwiegertochter, und
die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter.
12:54
Er sprach aber zu dem Volk: Wenn ihr eine Wolke sehet
aufgehen am Abend, so sprecht ihr alsbald: Es kommt ein Regen,
und es geschieht also.
12:55
Und wenn ihr sehet den Südwind wehen, so sprecht ihr: Es
wird heiß werden, und es geschieht also.
12:56
Ihr Heuchler! die Gestalt der Erde und des Himmels könnt ihr
prüfen; wie prüft ihr aber diese Zeit nicht?
12:57
Warum richtet ihr aber nicht von euch selber, was recht ist?
12:58
So du aber mit deinem Widersacher vor den Fürsten gehst, so
tu Fleiß auf dem Wege, das du ihn los werdest, auf daß er nicht
etwa dich vor den Richter ziehe, und der Richter überantworte
dich dem Stockmeister, und der Stockmeister werfe dich ins
Gefängnis.
12:59
Ich sage dir: Du wirst von dannen nicht herauskommen, bis du
den allerletzten Heller bezahlest.
13:1
Es waren aber zu der Zeit etliche dabei, die verkündigten ihm
von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihrem Opfer vermischt
hatte.
13:2
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meinet ihr, daß
diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder gewesen sind, dieweil
sie das erlitten haben?
13:3
Ich sage: Nein; sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr
alle auch also umkommen.
13:4
Oder meinet ihr, daß die achtzehn, auf die der Turm von
Siloah fiel und erschlug sie, seien schuldig gewesen vor allen
Menschen, die zu Jerusalem wohnen?
13:5
Ich sage: Nein; sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr
alle auch also umkommen.
13:6
Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen
Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberge; und er kam und
suchte Frucht darauf, und fand sie nicht.
13:7
Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei
Jahre lang alle Jahre gekommen und habe Frucht gesucht auf diesem
Feigenbaum, und finde sie nicht. Haue ihn ab! was hindert er das
Land?
13:8
Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, laß ihn noch dies
Jahr, bis daß ich um ihn grabe und bedünge ihn,
13:9
ob er wolle Frucht bringen, wo nicht so haue ihn darnach ab.
13:10
Und er lehrte in einer Schule am Sabbat.
13:11
Und siehe, ein Weib war da, das hatte einen Geist der
Krankheit achtzehn Jahre; und sie war krumm und konnte nicht wohl
aufsehen.
13:12
Da sie aber Jesus sah, rief er sie zu sich und sprach zu
ihr: Weib, sei los von deiner Krankheit!
13:13
Und legte die Hände auf sie; und alsobald richtete sie sich
auf und pries Gott.
13:14
Da antwortete der Oberste der Schule und war unwillig, daß
Jesus am Sabbat heilte, und sprach zu dem Volk: Es sind sechs
Tage, an denen man arbeiten soll; an ihnen kommt und laßt euch
heilen, und nicht am Sabbattage.
13:15
Da antwortete ihm der HERR und sprach: Du Heuchler! löst
nicht ein jeglicher unter euch seinen Ochsen oder Esel von der
Krippe am Sabbat und führt ihn zur Tränke?
13:16
Sollte aber nicht gelöst werden am Sabbat diese, die doch
Abrahams Tochter ist, von diesem Bande, welche Satanas gebunden
hatte nun wohl achtzehn Jahre?
13:17
Und als er solches sagte, mußten sich schämen alle, die ihm
zuwider gewesen waren; und alles Volk freute sich über alle
herrlichen Taten, die von ihm geschahen.
13:18
Er sprach aber: Wem ist das Reich Gottes gleich, und wem
soll ich's vergleichen?
13:19
Es ist einem Senfkorn gleich, welches ein Mensch nahm und
warf's in seinen Garten; und es wuchs und ward ein großer Baum,
und die Vögel des Himmels wohnten unter seinen Zweigen.
13:20
Und abermals sprach er: Wem soll ich das Reich Gottes
vergleichen?
13:21
Es ist einem Sauerteige gleich, welchen ein Weib nahm und
verbarg ihn unter drei Scheffel Mehl, bis daß es ganz sauer ward.
13:22
Und er ging durch Städte und Märkte und lehrte und nahm
seinen Weg gen Jerusalem.
13:23
Es sprach aber einer zu ihm: HERR, meinst du, daß wenige
selig werden? Er aber sprach zu ihnen:
13:24
Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet; denn
viele werden, das sage ich euch, darnach trachten, wie sie
hineinkommen, und werden's nicht tun können.
13:25
Von dem an, wenn der Hauswirt aufgestanden ist und die Tür
verschlossen hat, da werdet ihr dann anfangen draußen zu stehen
und an die Tür klopfen und sagen: HERR, HERR, tu uns auf! Und er
wird antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht, wo ihr
her seid?
13:26
So werdet ihr dann anfangen zu sagen: Wir haben vor dir
gegessen und getrunken, und auf den Gassen hast du uns gelehrt.
13:27
Und er wird sagen: Ich sage euch: Ich kenne euch nicht, wo
ihr her seid; weichet alle von mir, ihr Übeltäter.
13:28
Da wird sein Heulen und Zähneklappen, wenn ihr sehen werdet
Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes,
euch aber hinausgestoßen.
13:29
Und es werden kommen vom Morgen und vom Abend, von
Mitternacht und vom Mittage, die zu Tische sitzen werden im Reich
Gottes.
13:30
Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und
sind Erste, die werden die Letzten sein.
13:31
An demselben Tage kamen etliche Pharisäer und sprachen zu
ihm: Hebe dich hinaus und gehe von hinnen; denn Herodes will dich
töten!
13:32
Und er sprach zu ihnen: Gehet hin und saget diesem Fuchs:
Siehe, ich treibe Teufel aus und mache gesund heut und morgen,
und am dritten Tage werde ich ein Ende nehmen.
13:33
Doch muß ich heute und morgen und am Tage darnach wandeln;
denn es tut's nicht, daß ein Prophet umkomme außer Jerusalem.
13:34
Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und
steinigest, die zu dir gesandt werden, wie oft habe ich wollen
deine Kinder versammeln, wie eine Henne ihr Nest unter ihre
Flügel, und ihr habt nicht gewollt!
13:35
Sehet, euer Haus soll euch wüst gelassen werden. Denn ich
sage euch: Ihr werdet mich nicht sehen, bis daß es komme, daß ihr
sagen werdet: Gelobt ist, der da kommt im Namen des HERRN!
14:1
Und es begab sich, daß er kam in ein Haus eines Obersten der
Pharisäer an einem Sabbat, das Brot zu essen; und sie hatten acht
auf ihn.
14:2
Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig.
14:3
Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und
Pharisäern und sprach: Ist's auch recht, am Sabbat zu heilen?
14:4
Sie aber schwiegen still. Und er griff ihn an und heilte ihn
und ließ ihn gehen.
14:5
Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch,
dem sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt, und der nicht
alsbald ihn herauszieht am Sabbattage?
14:6
Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben.
14:7
Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen, da er merkte, wie
sie erwählten obenan zu sitzen, und sprach zu ihnen:
14:8
Wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit, so setze dich
nicht obenan, daß nicht etwa ein Vornehmerer denn du von ihm
geladen sei,
14:9
und dann komme, der dich und ihn geladen hat, und spreche zu
dir: Weiche diesem! und du müssest dann mit Scham untenan sitzen.
14:10
Sondern wenn du geladen wirst, so gehe hin und setze dich
untenan, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, er spreche
zu dir: Freund, rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor denen,
die mit dir am Tische sitzen.
14:11
Denn wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und
wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden.
14:12
Er sprach auch zu dem, der ihn geladen hatte: Wenn du ein
Mittags-oder Abendmahl machst, so lade nicht deine Freunde noch
deine Brüder noch deine Gefreunden noch deine Nachbarn, die da
reich sind, auf daß sie dich nicht etwa wieder laden und dir
vergolten werde.
14:13
Sondern wenn du ein Mahl machst, so lade die Armen, die
Krüppel, die Lahmen, die Blinden,
14:14
so bist du selig; denn sie haben's dir nicht zu vergelten,
es wird dir aber vergolten werden in der Auferstehung der
Gerechten.
14:15
Da aber solches hörte einer, der mit zu Tische saß, sprach
er zu ihm: Selig ist, der das Brot ißt im Reiche Gottes.
14:16
Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein
großes Abendmahl und lud viele dazu.
14:17
Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu
sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit!
14:18
Und sie fingen an, alle nacheinander, sich zu entschuldigen.
Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß
hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.
14:19
Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft,
und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich,
entschuldige mich.
14:20
Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum
kann ich nicht kommen.
14:21
Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da
ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus
schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen
und Krüppel und Lahmen und Blinden herein.
14:22
Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du
befohlen hast; es ist aber noch Raum da.
14:23
Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die
Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf
das mein Haus voll werde.
14:24
Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen waren
mein Abendmahl schmecken wird.
14:25
Es ging aber viel Volks mit ihm; und er wandte sich und
sprach zu ihnen:
14:26
So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter,
Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der
kann nicht mein Jünger sein.
14:27
Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann
nicht mein Jünger sein.
14:28
Wer ist aber unter euch, der einen Turm bauen will, und
sitzt nicht zuvor und überschlägt die Kosten, ob er's habe,
hinauszuführen?
14:29
auf daß nicht, wo er Grund gelegt hat und kann's nicht
hinausführen, alle, die es sehen, fangen an, sein zu spotten,
14:30
und sagen: Dieser Mensch hob an zu bauen, und kann's nicht
hinausführen.
14:31
Oder welcher König will sich begeben in einen Streit wider
einen andern König und sitzt nicht zuvor und ratschlagt, ob er
könne mit zehntausend begegnen dem, der über ihn kommt mit
zwanzigtausend?
14:32
Wo nicht, so schickt er Botschaft, wenn jener noch ferne
ist, und bittet um Frieden.
14:33
Also muß auch ein jeglicher unter euch, der nicht absagt
allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein.
14:34
Das Salz ist ein gutes Ding; wo aber das Salz dumm wird,
womit wird man's würzen?
14:35
Es ist weder auf das Land noch in den Mist nütze, sondern
man wird's wegwerfen. Wer Ohren hat, zu hören, der höre!
15:1
Es nahten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie
ihn hörten.
15:2
Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen:
Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen.
15:3
Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:
15:4
Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, so
er der eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig in der
Wüste und hingehe nach dem verlorenen, bis daß er's finde?
15:5
Und wenn er's gefunden hat, so legt er's auf seine Achseln
mit Freuden.
15:6
Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und
spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf
gefunden, das verloren war.
15:7
Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über
einen Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig Gerechten, die der
Buße nicht bedürfen.
15:8
Oder welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der
einen verliert, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus
und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde?
15:9
Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und
Nachbarinnen und spricht: Freuet euch mit mir; denn ich habe
meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte.
15:10
Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln
Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
15:11
Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.
15:12
Und der jüngste unter ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir,
Vater, das Teil der Güter, das mir gehört. Und er teilte ihnen
das Gut.
15:13
Und nicht lange darnach sammelte der jüngste Sohn alles
zusammen und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein
Gut um mit Prassen.
15:14
Da er nun all das Seine verzehrt hatte, ward eine große
Teuerung durch dasselbe ganze Land, und er fing an zu darben.
15:15
Und ging hin und hängte sich an einen Bürger des Landes; der
schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.
15:16
Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die
Säue aßen; und niemand gab sie ihm.
15:17
Da schlug er in sich und sprach: Wie viel Tagelöhner hat
mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger!
15:18
Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm
sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir
15:19
und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße;
mache mich zu einem deiner Tagelöhner!
15:20
Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber
noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und es jammerte
ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn.
15:21
Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen
den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich
dein Sohn heiße.
15:22
Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das beste
Kleid hervor und tut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an
seine Hand und Schuhe an seine Füße,
15:23
und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet's; lasset
uns essen und fröhlich sein!
15:24
denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig
geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen
an fröhlich zu sein.
15:25
Aber der älteste Sohn war auf dem Felde. Und als er nahe zum
Hause kam, hörte er das Gesänge und den Reigen;
15:26
und er rief zu sich der Knechte einen und fragte, was das
wäre.
15:27
Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater
hat ein gemästet Kalb geschlachtet, daß er ihn gesund wieder hat.
15:28
Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein
Vater heraus und bat ihn.
15:29
Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viel
Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten; und
du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden
fröhlich wäre.
15:30
Nun aber dieser dein Sohn gekommen ist, der sein Gut mit
Huren verschlungen hat, hast du ihm ein gemästet Kalb
geschlachtet.
15:31
Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir,
und alles, was mein ist, das ist dein.
15:32
Du solltest aber fröhlich und gutes Muts sein; denn dieser
dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden; er war
verloren und ist wieder gefunden.
16:1
Er aber sprach zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann,
der hatte einen Haushalter; der ward von ihm berüchtigt, als
hätte er ihm seine Güter umgebracht.
16:2
Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von
dir? Tu Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort
nicht Haushalter sein!
16:3
Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein
Herr nimmt das Amt von mir; graben kann ich nicht, so schäme ich
mich zu betteln.
16:4
Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt
gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen.
16:5
Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu
dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
16:6
Er sprach: Hundert Tonnen Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm
deinen Brief, setze dich und schreib flugs fünfzig.
16:7
Darnach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du
schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm:
Nimm deinen Brief und schreib achtzig.
16:8
Und der HERR lobte den ungerechten Haushalter, daß er
klüglich gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind klüger
als die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlecht.
16:9
Und ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem
ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch
aufnehmen in die ewigen Hütten.
16:10
Wer im geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und
wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht.
16:11
So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer
will euch das Wahrhaftige vertrauen?
16:12
Und so ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer wird euch
geben, was euer ist?
16:13
Kein Knecht kann zwei Herren dienen: entweder er wird den
einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen
anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott samt dem
Mammon dienen.
16:14
Das alles hörten die Pharisäer auch, und waren geizig, und
spotteten sein.
16:15
Und er sprach zu ihnen: Ihr seid's, die ihr euch selbst
rechtfertigt vor den Menschen; aber Gott kennt eure Herzen; denn
was hoch ist unter den Menschen, das ist ein Greuel vor Gott.
16:16
Das Gesetz und die Propheten weissagen bis auf Johannes; und
von der Zeit wird das Reich Gottes durchs Evangelium gepredigt,
und jedermann dringt mit Gewalt hinein.
16:17
Es ist aber leichter, daß Himmel und Erde vergehen, denn daß
ein Tüttel am Gesetz falle.
16:18
Wer sich scheidet von seinem Weibe und freit eine andere,
der bricht die Ehe; und wer die von dem Manne Geschiedene freit,
der bricht auch die Ehe.
16:19
Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur
und köstlicher Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in
Freuden.
16:20
Es war aber ein armer Mann mit Namen Lazarus, der lag vor
seiner Tür voller Schwären
16:21
und begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des
Reichen Tische fielen; doch kamen die Hunde und leckten ihm seine
Schwären.
16:22
Es begab sich aber, daß der Arme starb und ward getragen von
den Engeln in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und ward
begraben.
16:23
Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine
Augen auf und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.
16:24
Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein und
sende Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche
und kühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme.
16:25
Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes
empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses
empfangen; nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeinigt.
16:26
Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große
Kluft befestigt, daß die wollten von hinnen hinabfahren zu euch,
könnten nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüberfahren.
16:27
Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest
in meines Vaters Haus;
16:28
denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf
daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.
16:29
Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mose und die Propheten; laß
sie dieselben hören.
16:30
Er aber sprach: Nein, Vater Abraham! sondern wenn einer von
den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.
16:31
Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so
werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten
aufstünde.
17:1
Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, daß nicht
Ärgernisse kommen; weh aber dem, durch welchen sie kommen!
17:2
Es wäre ihm besser, daß man einen Mühlstein an seinen Hals
hängte und würfe ihm ins Meer, denn daß er dieser Kleinen einen
ärgert.
17:3
Hütet euch! So dein Bruder an dir sündigt, so strafe ihn; und
so es ihn reut, vergib ihm.
17:4
Und wenn er siebenmal des Tages an dir sündigen würde und
siebenmal des Tages wiederkäme zu dir und spräche: Es reut mich!
so sollst du ihm vergeben.
17:5
Und die Apostel sprachen zum HERRN: Stärke uns den Glauben!
17:6
Der HERR aber sprach: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn
und sagt zu diesem Maulbeerbaum: Reiß dich aus und versetze dich
ins Meer! so wird er euch gehorsam sein.
17:7
Welcher ist unter euch, der einen Knecht hat, der ihm pflügt
oder das Vieh weidet, wenn er heimkommt vom Felde, daß er ihm
alsbald sage: Gehe alsbald hin und setze dich zu Tische?
17:8
Ist's nicht also, daß er zu ihm sagt: Richte zu, was ich zum
Abend esse, schürze dich und diene mir, bis ich esse und trinke;
darnach sollst du auch essen und trinken?
17:9
Dankt er auch dem Knechte, daß er getan hat, was ihm befohlen
war? Ich meine es nicht.
17:10
Also auch ihr; wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen
ist, so sprechet: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was
wir zu tun schuldig waren.
17:11
Und es begab sich, da er reiste gen Jerusalem, zog er mitten
durch Samarien und Galiläa.
17:12
Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn
aussätzige Männer, die standen von ferne
17:13
und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister,
erbarme dich unser!
17:14
Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget
euch den Priestern! Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie
rein.
17:15
Einer aber unter ihnen, da er sah, daß er geheilt war,
kehrte um und pries Gott mit lauter Stimme
17:16
und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm.
Und das war ein Samariter.
17:17
Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein
geworden? Wo sind aber die neun?
17:18
Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte und gäbe
Gott die Ehre, denn dieser Fremdling?
17:19
Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin; dein Glaube hat
dir geholfen.
17:20
Da er aber gefragt ward von den Pharisäern: Wann kommt das
Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes
kommt nicht mit äußerlichen Gebärden;
17:21
man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: da ist es! Denn
sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.
17:22
Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, daß
ihr werdet begehren zu sehen einen Tag des Menschensohnes, und
werdet ihn nicht sehen.
17:23
Und sie werden zu euch sagen: Siehe hier! siehe da! Gehet
nicht hin und folget auch nicht.
17:24
Denn wie der Blitz oben vom Himmel blitzt und leuchtet über
alles, was unter dem Himmel ist, also wird des Menschen Sohn an
seinem Tage sein.
17:25
Zuvor aber muß er viel leiden und verworfen werden von
diesem Geschlecht.
17:26
Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch
geschehen in den Tagen des Menschensohnes:
17:27
sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen freien bis
auf den Tag, da Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und
brachte sie alle um.
17:28
Desgleichen wie es geschah zu den Zeiten Lots: sie aßen, sie
tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten;
17:29
an dem Tage aber, da Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer
und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um.
17:30
Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn des
Menschen Sohn soll offenbart werden.
17:31
An dem Tage, wer auf dem Dach ist und sein Hausrat in dem
Hause, der steige nicht hernieder, ihn zu holen. Desgleichen wer
auf dem Felde ist, der wende nicht um nach dem was hinter ihm
ist.
17:32
Gedenket an des Lot Weib!
17:33
Wer da sucht, seine Seele zu erhalten, der wird sie
verlieren; und wer sie verlieren wird, der wird ihr zum Leben
helfen.
17:34
Ich sage euch: In derselben Nacht werden zwei auf einem
Bette liegen; einer wird angenommen, der andere wird verlassen
werden.
17:35
Zwei werden mahlen miteinander; eine wird angenommen, die
andere wird verlassen werden.
17:36
Zwei werden auf dem Felde sein; einer wird angenommen, der
andere wird verlassen werden.
17:37
Und sie antworteten und sprachen zu ihm: HERR wo? Er aber
sprach zu ihnen: Wo das Aas ist, da sammeln sich auch die Adler.
18:1
Er sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, daß man allezeit
beten und nicht laß werden solle,
18:2
und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete
sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen.
18:3
Es war aber eine Witwe in dieser Stadt, die kam zu ihm und
sprach: Rette mich von meinem Widersacher!
18:4
Und er wollte lange nicht. Darnach aber dachte er bei sich
selbst: Ob ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem
Menschen scheue,
18:5
dieweil aber mir diese Witwe so viel Mühe macht, will ich sie
retten, auf daß sie nicht zuletzt komme und betäube mich.
18:6
Da sprach der HERR: Höret hier, was der ungerechte Richter
sagt!
18:7
Sollte aber Gott nicht auch retten seine Auserwählten, die zu
ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's mit ihnen verziehen?
18:8
Ich sage euch: Er wird sie erretten in einer Kürze. Doch wenn
des Menschen Sohn kommen wird, meinst du, daß er auch werde
Glauben finden auf Erden?
18:9
Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie
fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichnis:
18:10
Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten,
einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
18:11
Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich
danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber,
Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.
18:12
Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von
allem, was ich habe.
18:13
Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen
nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und
sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
18:14
Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus
vor jenem. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt
werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
18:15
Sie brachten auch junge Kindlein zu ihm, daß er sie anrühren
sollte. Da es aber die Jünger sahen, bedrohten sie die.
18:16
Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kindlein
zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich
Gottes.
18:17
Wahrlich ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt
wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
18:18
Und es fragte ihn ein Oberster und sprach: Guter Meister,
was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?
18:19
Jesus aber sprach zu ihm: Was heißest du mich gut? Niemand
ist gut denn der einige Gott.
18:20
Du weißt die Gebote wohl: "Du sollst nicht ehebrechen; du
sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht
falsch Zeugnis reden; du sollst deinen Vater und deine Mutter
ehren."
18:21
Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten von meiner
Jugend auf.
18:22
Da Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Es fehlt dir noch
eins. Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst
du einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach!
18:23
Da er aber das hörte, ward er traurig; denn er war sehr
reich.
18:24
Da aber Jesus sah, daß er traurig war geworden, sprach er:
Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!
18:25
Es ist leichter, daß ein Kamel gehe durch ein Nadelöhr, denn
daß ein Reicher in das Reich Gottes komme.
18:26
Da sprachen, die das hörten: Wer kann denn selig werden?
18:27
Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist
bei Gott möglich.
18:28
Da sprach Petrus: Siehe, wir haben alles verlassen und sind
dir nachgefolgt.
18:29
Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Es ist
niemand, der ein Haus verläßt oder Eltern oder Brüder oder Weib
oder Kinder um des Reiches Gottes willen,
18:30
der es nicht vielfältig wieder empfange in dieser Zeit, und
in der zukünftigen Welt das ewige Leben.
18:31
Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Sehet,
wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet
werden, was geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen
Sohn.
18:32
Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird
verspottet und geschmähet und verspeiet werden,
18:33
und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage
wird er wieder auferstehen.
18:34
Sie aber verstanden der keines, und die Rede war ihnen
verborgen, und wußten nicht, was das Gesagte war.
18:35
Es geschah aber, da er nahe an Jericho kam, saß ein Blinder
am Wege und bettelte.
18:36
Da er aber hörte das Volk, das hindurchging, forschte er,
was das wäre.
18:37
Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber.
18:38
Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich
mein!
18:39
Die aber vornean gingen, bedrohten ihn, er sollte schweigen.
Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein!
18:40
Jesus aber stand still und hieß ihn zu sich führen. Da sie
ihn aber nahe zu ihm brachten, fragte er ihn
18:41
und sprach: Was willst du, daß ich dir tun soll? Er sprach:
HERR, daß ich sehen möge.
18:42
Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! dein Glaube hat dir
geholfen.
18:43
Und alsobald ward er sehend und folgte ihm nach und pries
Gott. Und alles Volk, das solches sah, lobte Gott.
19:1
Und er zog hinein und ging durch Jericho.
19:2
Und siehe, da war ein Mann, genannt Zachäus, der war ein
Oberster der Zöllner und war reich.
19:3
Und er begehrte Jesum zu sehen, wer er wäre, und konnte nicht
vor dem Volk; denn er war klein von Person.
19:4
Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, auf daß
er ihn sähe: denn allda sollte er durchkommen.
19:5
Und als Jesus kam an die Stätte, sah er auf und ward sein
gewahr und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend hernieder; denn
ich muß heute in deinem Hause einkehren!
19:6
Und er stieg eilend hernieder und nahm ihn auf mit Freuden.
19:7
Da sie das sahen, murrten sie alle, daß er bei einem Sünder
einkehrte.
19:8
Zachäus aber trat dar und sprach zu dem HERRN: Siehe, HERR,
die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich jemand
betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder.
19:9
Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil
widerfahren, sintemal er auch Abrahams Sohn ist.
19:10
Denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu
machen, das verloren ist.
19:11
Da sie nun zuhörten, sagte er weiter ein Gleichnis, darum
daß er nahe bei Jerusalem war und sie meinten, das Reich Gottes
sollte alsbald offenbart werden,
19:12
und sprach: Ein Edler zog ferne in ein Land, daß er ein
Reich einnähme und dann wiederkäme.
19:13
Dieser forderte zehn seiner Knechte und gab ihnen zehn Pfund
und sprach zu ihnen: Handelt, bis daß ich wiederkomme!
19:14
Seine Bürger aber waren ihm feind und schickten Botschaft
ihm nach und ließen sagen: Wir wollen nicht, daß dieser über uns
herrsche.
19:15
Und es begab sich, da er wiederkam, nachdem er das Reich
eingenommen hatte, hieß dieselben Knechte fordern, welchen er das
Geld gegeben hatte, daß er wüßte, was ein jeglicher gehandelt
hätte.
19:16
Da trat herzu der erste und sprach: Herr, dein Pfund hat
zehn Pfund erworben.
19:17
Und er sprach zu ihm: Ei, du frommer Knecht, dieweil du bist
im Geringsten treu gewesen, sollst du Macht haben über zehn
Städte.
19:18
Der andere kam und sprach: Herr dein Pfund hat fünf Pfund
getragen.
19:19
Zu dem sprach er auch: Du sollst sein über fünf Städte.
19:20
Und der dritte kam und sprach: Herr, siehe da, hier ist dein
Pfund, welches ich habe im Schweißtuch behalten;
19:21
ich fürchtete mich vor dir, denn du bist ein harter Mann: du
nimmst, was du nicht hingelegt hast, und erntest, was du nicht
gesät hast.
19:22
Er sprach zu ihm: Aus deinem Munde richte ich dich, du
Schalk. Wußtest Du, daß ich ein harter Mann bin, nehme, was ich
nicht hingelegt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe?
19:23
Warum hast du denn mein Geld nicht in die Wechselbank
gegeben? Und wenn ich gekommen wäre, hätte ich's mit Zinsen
erfordert.
19:24
Und er sprach zu denen, die dabeistanden: Nehmt das Pfund
von ihm und gebt es dem, der zehn Pfund hat.
19:25
Und sie sprachen zu ihm: Herr, hat er doch zehn Pfund.
19:26
Ich sage euch aber: Wer da hat, dem wird gegeben werden; von
dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er
hat.
19:27
Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie
herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir.
19:28
Und als er solches sagte, zog er fort und reiste hinauf gen
Jerusalem.
19:29
Uns es begab sich, als er nahte gen Bethphage und Bethanien
und kam an den Ölberg, sandte er seiner Jünger zwei
19:30
und sprach: Gehet hin in den Markt, der gegenüberliegt. Und
wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden,
auf welchem noch nie ein Mensch gesessen hat; löset es ab und
bringet es!
19:31
Und so euch jemand fragt, warum ihr's ablöset, so sagt also
zu ihm: Der HERR bedarf sein.
19:32
Und die Gesandten gingen hin und fanden, wie er ihnen gesagt
hatte.
19:33
Da sie aber das Füllen ablösten, sprachen seine Herren zu
ihnen: Warum löst ihr das Füllen ab?
19:34
Sie aber sprachen: Der HERR bedarf sein.
19:35
Und sie brachten's zu Jesu und warfen ihre Kleider auf das
Füllen und setzten Jesum darauf.
19:36
Da er nun hinzog, breiteten sie ihre Kleider auf den Weg.
19:37
Und da er nahe hinzukam und zog den Ölberg herab, fing an
der ganze Haufe seiner Jünger, fröhlich Gott zu loben mit lauter
Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten,
19:38
und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, ein König, in dem
Namen des HERRN! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!
19:39
Und etliche der Pharisäer im Volk sprachen zu ihm: Meister,
strafe doch deine Jünger!
19:40
Er antwortete und sprach zu ihnen: Ich sage euch: Wo diese
werden schweigen, so werden die Steine schreien.
19:41
Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt an und weinte
über sie
19:42
und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser deiner
Zeit, was zu deinem Frieden dient! Aber nun ist's vor deinen
Augen verborgen.
19:43
Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde
werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen,
dich belagern und an allen Orten ängsten;
19:44
und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern
lassen, darum daß du nicht erkannt hast die Zeit, darin du
heimgesucht bist.
19:45
Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die
darin verkauften und kauften,
19:46
und er sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: "Mein Haus ist
ein Bethaus"; ihr aber habt's gemacht zur Mördergrube.
19:47
Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und
Schriftgelehrten und die Vornehmsten im Volk trachteten ihm nach,
wie sie ihn umbrächten;
19:48
und fanden nicht, wie sie ihm tun sollten, denn das Volk
hing ihm an und hörte ihn.
20:1
Und es begab sich an der Tage einem, da er das Volk lehrte im
Tempel und predigte das Evangelium, da traten zu ihm die
Hohenpriester und Schriftgelehrten mit den Ältesten
20:2
und sagten zu ihm und sprachen: Sage uns, aus was für Macht
tust du das? oder wer hat dir die Macht gegeben?
20:3
Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch
ein Wort fragen; saget mir's:
20:4
Die Taufe des Johannes, war sie vom Himmel oder von Menschen?
20:5
Sie aber gedachten bei sich selbst und sprachen: Sagen wir:
Vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm denn nicht
geglaubt?
20:6
Sagen wir aber: Von Menschen, so wird uns das Volk steinigen;
denn sie stehen darauf, daß Johannes ein Prophet sei.
20:7
Und sie antworteten, sie wüßten's nicht, wo sie her wäre.
20:8
Und Jesus sprach zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus
was für Macht ich das tue.
20:9
Er fing aber an, zu sagen dem Volk dies Gleichnis: Ein Mensch
pflanzte einen Weinberg und tat ihn den Weingärtnern aus und zog
über Land eine gute Zeit.
20:10
Und zu seiner Zeit sandte er einen Knecht zu den
Weingärtnern, daß sie ihm gäben von der Frucht des Weinberges.
Aber die Weingärtner stäupten ihn und ließen ihn leer von sich.
20:11
Und über das sandte er noch einen anderen Knecht; sie aber
stäupten den auch und höhnten ihn und ließen ihn leer von sich.
20:12
Und über das sandte er den dritten; sie aber verwundeten den
auch und stießen ihn hinaus.
20:13
Da sprach der Herr des Weinberges: Was soll ich tun? Ich
will meinen lieben Sohn senden; vielleicht, wenn sie den sehen,
werden sie sich scheuen.
20:14
Da aber die Weingärtner den Sohn sahen, dachten sie bei sich
selbst und sprachen: Das ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten,
daß das Erbe unser sei!
20:15
Und sie stießen ihn hinaus vor den Weinberg und töteten ihn.
Was wird nun der Herr des Weinberges ihnen tun?
20:16
Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und seinen
Weinberg andern austun. Da sie das hörten, sprachen sie: Das sei
ferne!
20:17
Er aber sah sie an und sprach: Was ist denn das, was
geschrieben steht: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
ist zum Eckstein geworden"?
20:18
Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen
aber er fällt, den wird er zermalmen.
20:19
Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten trachteten
darnach, wie sie die Hände an ihn legten zu derselben Stunde; und
fürchteten sich vor dem Volk, denn sie verstanden, daß er auf sie
dies Gleichnis gesagt hatte.
20:20
Und sie stellten ihm nach und sandten Laurer aus, die sich
stellen sollten, als wären sie fromm, auf daß sie ihn in der Rede
fingen, damit sie ihn überantworten könnten der Obrigkeit und
Gewalt des Landpflegers.
20:21
Und sie fragten ihn und sprachen: Meister, wir wissen, daß
du aufrichtig redest und lehrest und achtest keines Menschen
Ansehen, sondern du lehrest den Weg Gottes recht.
20:22
Ist's recht, daß wir dem Kaiser den Schoß geben, oder nicht?
20:23
Er aber merkte ihre List und sprach zu ihnen: Was versuchet
ihr mich?
20:24
Zeiget mir den Groschen! Wes Bild und Überschrift hat er?
Sie antworteten und sprachen: Des Kaisers.
20:25
Er aber sprach: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist,
und Gott, was Gottes ist!
20:26
Und sie konnten sein Wort nicht tadeln vor dem Volk und
verwunderten sich seiner Antwort und schwiegen still.
20:27
Da traten zu ihm etliche der Sadduzäer, welche da halten, es
sei kein Auferstehen, und fragten ihn
20:28
und sprachen: Meister, Mose hat uns geschrieben: So jemandes
Bruder stirbt, der ein Weib hat, und stirbt kinderlos, so soll
sein Bruder das Weib nehmen und seinem Bruder einen Samen
erwecken.
20:29
Nun waren sieben Brüder. Der erste nahm ein Weib und starb
kinderlos.
20:30
Und der andere nahm das Weib und starb auch kinderlos.
20:31
Und der dritte nahm sie. Desgleichen alle sieben und
hinterließen keine Kinder und starben.
20:32
Zuletzt nach allen starb auch das Weib.
20:33
Nun in der Auferstehung, wes Weib wird sie sein unter denen?
Denn alle sieben haben sie zum Weibe gehabt.
20:34
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Kinder dieser
Welt freien und lassen sich freien;
20:35
welche aber würdig sein werden, jene Welt zu erlangen und
die Auferstehung von den Toten, die werden weder freien noch sich
freien lassen.
20:36
Denn sie können hinfort nicht sterben; denn sie sind den
Engeln gleich und Gottes Kinder, dieweil sie Kinder sind der
Auferstehung.
20:37
Daß aber die Toten auferstehen, hat auch Mose gedeutet bei
dem Busch, da er den HERRN heißt Gott Abrahams und Gott Isaaks
und Gott Jakobs.
20:38
Gott aber ist nicht der Toten, sondern der Lebendigen Gott;
denn sie leben ihm alle.
20:39
Da antworteten etliche der Schriftgelehrten und sprachen:
Meister, du hast recht gesagt.
20:40
Und sie wagten ihn fürder nichts mehr zu fragen.
20:41
Er sprach aber zu ihnen: Wie sagen sie, Christus sei Davids
Sohn?
20:42
Und er selbst, David, spricht im Psalmbuch: "Der HERR hat
gesagt zu meinem HERRN: Setze dich zu meiner Rechten,
20:43
bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße."
20:44
David nennt ihn einen HERRN; wie ist er denn sein Sohn?
20:45
Da aber alles Volk zuhörte, sprach er zu seinen Jüngern:
20:46
Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die da wollen
einhertreten in langen Kleidern und lassen sich gerne grüßen auf
dem Markte und sitzen gern obenan in den Schulen und über Tisch;
20:47
sie fressen der Witwen Häuser und wenden lange Gebete vor.
Die werden desto schwerere Verdammnis empfangen.
21:1
Er sah aber auf und schaute die Reichen, wie sie ihre Opfer
einlegten in den Gotteskasten.
21:2
Er sah aber auch eine arme Witwe, die legte zwei Scherflein
ein.
21:3
Und er sprach: Wahrlich ich sage euch: Diese arme Witwe hat
mehr denn sie alle eingelegt.
21:4
Denn diese alle haben aus ihrem Überfluß eingelegt zu dem
Opfer Gottes; sie aber hat von ihrer Armut alle ihre Nahrung, die
sie hatte, eingelegt.
21:5
Und da etliche sagten von dem Tempel, daß er geschmückt wäre
mit feinen Steinen und Kleinoden, sprach er:
21:6
Es wird die Zeit kommen, in welcher von dem allem, was ihr
sehet, nicht ein Stein auf dem andern gelassen wird, der nicht
zerbrochen werde.
21:7
Sie fragten ihn aber und sprachen: Meister, wann soll das
werden? und welches ist das Zeichen, wann das geschehen wird?
21:8
Er aber sprach: Sehet zu, lasset euch nicht verführen. Denn
viele werden kommen in meinem Namen und sagen, ich sei es, und:
"Die Zeit ist herbeigekommen." Folget ihnen nicht nach!
21:9
Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Empörungen, so
entsetzet euch nicht. Denn solches muß zuvor geschehen; aber das
Ende ist noch nicht so bald da.
21:10
Da sprach er zu ihnen: Ein Volk wird sich erheben wider das
andere und ein Reich wider das andere,
21:11
und es werden geschehen große Erdbeben hin und wieder, teure
Zeit und Pestilenz; auch werden Schrecknisse und große Zeichen am
Himmel geschehen.
21:12
Aber vor diesem allem werden sie die Hände an euch legen und
euch verfolgen und werden euch überantworten in ihre Schulen und
Gefängnisse und vor Könige und Fürsten ziehen um meines Namens
willen.
21:13
Das wird euch aber widerfahren zu einem Zeugnis.
21:14
So nehmet nun zu Herzen, daß ihr nicht sorget, wie ihr euch
verantworten sollt.
21:15
Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, welcher nicht
sollen widersprechen können noch widerstehen alle eure
Widersacher.
21:16
Ihr werdet aber überantwortet werden von den Eltern,
Brüdern, Gefreunden und Freunden; und sie werden euer etliche
töten.
21:17
Und ihr werdet gehaßt sein von jedermann um meines Namens
willen.
21:18
Und ein Haar von eurem Haupte soll nicht umkommen.
21:19
Fasset eure Seelen mit Geduld.
21:20
Wenn ihr aber sehen werdet Jerusalem belagert mit einem
Heer, so merket daß herbeigekommen ist seine Verwüstung.
21:21
Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe auf das Gebirge, und
wer drinnen ist, der weiche heraus, und wer auf dem Lande ist,
der komme nicht hinein.
21:22
Denn das sind die Tage der Rache, daß erfüllet werde alles,
was geschrieben ist.
21:23
Weh aber den Schwangern und Säugerinnen in jenen Tagen! Denn
es wird große Not auf Erden sein und ein Zorn über dies Volk,
21:24
und sie werden fallen durch des Schwertes Schärfe und
gefangen geführt werden unter alle Völker; und Jerusalem wird
zertreten werden von den Heiden, bis daß der Heiden Zeit erfüllt
wird.
21:25
Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und
Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und sie werden
zagen, und das Meer und die Wassermengen werden brausen,
21:26
und Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten
der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel
Kräfte werden sich bewegen.
21:27
Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der
Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
21:28
Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und
erhebet eure Häupter, darum daß sich eure Erlösung naht.
21:29
Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Sehet an den Feigenbaum
und alle Bäume:
21:30
wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihr's an ihnen und
merket, daß jetzt der Sommer nahe ist.
21:31
Also auch ihr: wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset,
daß das Reich Gottes nahe ist.
21:32
Wahrlich ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen,
bis daß es alles geschehe.
21:33
Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen
nicht.
21:34
Hütet euch aber, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit
Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung und komme dieser
Tag schnell über euch;
21:35
denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf
Erden wohnen.
21:36
So seid nun wach allezeit und betet, daß ihr würdig werden
möget, zu entfliehen diesem allem, das geschehen soll, und zu
stehen vor des Menschen Sohn.
21:37
Und er lehrte des Tages im Tempel; des Nachts aber ging er
hinaus und blieb über Nacht am Ölberge.
21:38
Und alles Volk machte sich früh auf zu ihm, im Tempel ihn zu
hören.
22:1
Es war aber nahe das Fest der süßen Brote, das da Ostern
heißt.
22:2
Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten trachteten, wie
sie ihn töteten; und fürchteten sich vor dem Volk.
22:3
Es war aber der Satanas gefahren in den Judas, genannt
Ischariot, der da war aus der Zahl der Zwölf.
22:4
Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und
Hauptleuten, wie er ihn wollte ihnen überantworten.
22:5
Und sie wurden froh und gelobten ihm Geld zu geben.
22:6
Und er versprach es und suchte Gelegenheit, daß er ihn
überantwortete ohne Lärmen.
22:7
Es kam nun der Tag der süßen Brote, an welchem man mußte
opfern das Osterlamm.
22:8
Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Gehet hin,
bereitet uns das Osterlamm, auf daß wir's essen.
22:9
Sie aber sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir's bereiten?
22:10
Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr hineinkommt in die
Stadt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug;
folget ihm nach in das Haus, da er hineingeht,
22:11
und saget zu dem Hausherrn: Der Meister läßt dir sagen: Wo
ist die Herberge, darin ich das Osterlamm essen möge mit meinen
Jüngern?
22:12
Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der mit Polstern
versehen ist; daselbst bereitet es.
22:13
Sie gingen hin und fanden, wie er ihnen gesagt hatte, und
bereiteten das Osterlamm.
22:14
Und da die Stunde kam, setzte er sich nieder und die zwölf
Apostel mit ihm.
22:15
Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies
Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide.
22:16
Denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon essen
werde, bis daß es erfüllet werde im Reich Gottes.
22:17
Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmet ihn und
teilet ihn unter euch;
22:18
denn ich sage euch: Ich werde nicht trinken von dem Gewächs
des Weinstocks, bis das Reich Gottes komme.
22:19
Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und
sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu
meinem Gedächtnis.
22:20
Desgleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach:
Das ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blut, das für
euch vergossen wird.
22:21
Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir über
Tische.
22:22
Denn des Menschen Sohn geht zwar hin, wie es beschlossen
ist; doch weh dem Menschen, durch welchen er verraten wird!
22:23
Und sie fingen an, zu fragen unter sich selbst, welcher es
doch wäre unter ihnen, der das tun würde.
22:24
Es erhob sich auch ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen
sollte für den Größten gehalten werden.
22:25
Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen,
und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren.
22:26
Ihr aber nicht also! Sondern der Größte unter euch soll sein
wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener.
22:27
Denn welcher ist größer: Der zu Tische sitzt oder der da
dient? Ist's nicht also, daß der zu Tische sitzt! Ich aber bin
unter euch wie ein Diener.
22:28
Ihr aber seid's, die ihr beharrt habt bei mir in meinen
Anfechtungen.
22:29
Und ich will euch das Reich bescheiden, wie mir's mein Vater
beschieden hat,
22:30
daß ihr essen und trinken sollt an meinem Tische in meinem
Reich und sitzen auf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter
Israels.
22:31
Der HERR aber sprach: Simon, Simon, siehe, der Satanas hat
euer begehrt, daß er euch möchte sichten wie den Weizen;
22:32
ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht
aufhöre. Und wenn du dermaleinst dich bekehrst, so stärke deine
Brüder.
22:33
Er sprach aber zu ihm: HERR, ich bin bereit, mit dir ins
Gefängnis und in den Tod zu gehen.
22:34
Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute
nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich
kennest.
22:35
Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch ausgesandt habe ohne
Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel
gehabt? Sie sprachen: Niemals.
22:36
Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der
nehme ihn, desgleichen auch die Tasche; wer aber nichts hat,
verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert.
22:37
Denn ich sage euch: Es muß noch das auch vollendet werden an
mir, was geschrieben steht: "Er ist unter die Übeltäter
gerechnet." Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende.
22:38
Sie sprachen aber: HERR, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er
aber sprach zu ihnen: Es ist genug.
22:39
Und er ging hinaus nach seiner Gewohnheit an den Ölberg. Es
folgten ihm aber seine Jünger nach an den Ort.
22:40
Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, auf daß ihr
nicht in Anfechtung fallet!
22:41
Und er riß sich von ihnen einen Steinwurf weit und kniete
nieder, betete
22:42
und sprach: Vater, willst du, so nehme diesen Kelch von mir,
doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!
22:43
Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.
22:44
Und es kam, daß er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es
ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.
22:45
Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und
fand sie schlafen vor Traurigkeit
22:46
und sprach zu ihnen: Was schlafet ihr? Stehet auf und betet,
auf das ihr nicht in Anfechtung fallet!
22:47
Da er aber noch redete, siehe, da kam die Schar; und einer
von den Zwölfen, genannt Judas, ging vor ihnen her und nahte sich
zu Jesu, ihn zu küssen.
22:48
Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du des Menschen
Sohn mit einem Kuß?
22:49
Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte,
sprachen sie zu ihm: HERR, sollen wir mit dem Schwert drein
schlagen?
22:50
Und einer aus ihnen schlug des Hohenpriesters Knecht und
hieb ihm sein rechtes Ohr ab.
22:51
Jesus aber antwortete und sprach: Lasset sie doch so machen!
Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.
22:52
Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des
Tempels und den Ältesten, die über ihn gekommen waren: Ihr seid,
wie zu einem Mörder, mit Schwertern und mit Stangen ausgegangen.
22:53
Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen, und ihr habt
keine Hand an mich gelegt; aber dies ist eure Stunde und die
Macht der Finsternis.
22:54
Sie griffen ihn aber und führten ihn hin und brachten ihn in
des Hohenpriesters Haus. Petrus aber folgte von ferne.
22:55
Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Hof und setzten sich
zusammen; und Petrus setzte sich unter sie.
22:56
Da sah ihn eine Magd sitzen bei dem Licht und sah genau auf
ihn und sprach: Dieser war auch mit ihm.
22:57
Er aber verleugnete ihn und sprach: Weib, ich kenne ihn
nicht.
22:58
Und über eine kleine Weile sah ihn ein anderer und sprach:
Du bist auch deren einer. Petrus aber sprach: Mensch ich bin's
nicht.
22:59
Und über eine Weile, bei einer Stunde, bekräftigte es ein
anderer und sprach: Wahrlich dieser war auch mit ihm; denn er ist
ein Galiläer.
22:60
Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst.
Und alsbald, als er noch redete, krähte der Hahn.
22:61
Und der HERR wandte sich um und sah Petrus an. Und Petrus
gedachte an des HERRN Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe denn
der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
22:62
Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.
22:63
Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn und
schlugen ihn,
22:64
verdeckten ihn und schlugen ihn ins Angesicht und fragten
ihn und sprachen: Weissage, wer ist's, der dich schlug?
22:65
Und viele andere Lästerungen sagten sie wider ihn.
22:66
Und als es Tag ward, sammelten sich die Ältesten des Volks,
die Hohenpriester und Schriftgelehrten und führten ihn hinauf vor
ihren Rat
22:67
und sprachen: Bist du Christus, sage es uns! Er aber sprach
zu ihnen: Sage ich's euch, so glaubt ihr's nicht;
22:68
frage ich aber, so antwortet ihr nicht und laßt mich doch
nicht los.
22:69
Darum von nun an wird des Menschen Sohn sitzen zur rechten
Hand der Kraft Gottes.
22:70
Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er aber
sprach zu ihnen: Ihr sagt es, denn ich bin's.
22:71
Sie aber sprachen: Was bedürfen wir weiteres Zeugnis? Wir
haben's selbst gehört aus seinem Munde.
23:1
Und der ganze Haufe stand auf, und sie führten ihn vor
Pilatus
23:2
und fingen an, ihn zu verklagen, und sprachen: Diesen finden
wir, daß er das Volk abwendet und verbietet, den Schoß dem Kaiser
zu geben, und spricht, er sei ein König.
23:3
Pilatus aber fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König?
Er antwortete und sprach: Du sagst es.
23:4
Pilatus sprach zu den Hohenpriestern und zum Volk: Ich finde
keine Ursache an diesem Menschen.
23:5
Sie aber hielten an und sprachen: Er hat das Volk erregt
damit, daß er gelehrt hat hin und her im ganzen jüdischen Lande
und hat in Galiläa angefangen bis hierher.
23:6
Da aber Pilatus Galiläa hörte, fragte er, ob er aus Galiläa
wäre.
23:7
Und als er vernahm, daß er unter des Herodes Obrigkeit
gehörte, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in den Tagen auch
zu Jerusalem war.
23:8
Da aber Herodes Jesum sah, ward er sehr froh; denn er hätte
ihn längst gern gesehen, denn er hatte viel von ihm gehört, und
hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen.
23:9
Und er fragte ihn mancherlei; er antwortete ihm aber nichts.
23:10
Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen und
verklagten ihn hart.
23:11
Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und
verspottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an und sandte ihn
wieder zu Pilatus.
23:12
Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde miteinander;
denn zuvor waren sie einander feind.
23:13
Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und das
Volk zusammen
23:14
und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir
gebracht, als der das Volk abwende, und siehe, ich habe ihn vor
euch verhört und finde an dem Menschen der Sache keine, deren ihr
ihn beschuldiget;
23:15
Herodes auch nicht, denn ich habe euch zu ihm gesandt, und
siehe, man hat nichts auf ihn gebracht, das des Todes wert sei.
23:16
Darum will ich ihn züchtigen und loslassen.
23:17
(Denn er mußte ihnen einen nach der Gewohnheit des Festes
losgeben.)
23:18
Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem und
gib uns Barabbas los!
23:19
(welcher war um eines Aufruhrs, so in der Stadt geschehen
war, und um eines Mordes willen ins Gefängnis geworfen.)
23:20
Da rief Pilatus abermals ihnen zu und wollte Jesum
loslassen.
23:21
Sie riefen aber und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn!
23:22
Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: Was hat denn dieser
Übles getan? Ich finde keine Ursache des Todes an ihm; darum will
ich ihn züchtigen und loslassen.
23:23
Aber sie lagen ihm an mit großem Geschrei und forderten, daß
er gekreuzigt würde. Und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm
überhand.
23:24
Pilatus aber urteilte, daß ihr Bitte geschähe,
23:25
und ließ den los, der um Aufruhrs und Mordes willen war ins
Gefängnis geworfen, um welchen sie baten; aber Jesum übergab er
ihrem Willen.
23:26
Und als sie ihn hinführten, ergriffen sie einen, Simon von
Kyrene, der kam vom Felde, und legten das Kreuz auf ihn, daß er's
Jesu nachtrüge.
23:27
Es folgte ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber,
die beklagten und beweinten ihn.
23:28
Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter
von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch
selbst und über eure Kinder.
23:29
Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen
wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht
geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäugt haben!
23:30
Dann werden sie anfangen, zu sagen zu den Bergen: Fallet
über uns! und zu den Hügeln: Decket uns!
23:31
Denn so man das tut am grünen Holz, was will am dürren
werden?
23:32
Es wurden aber auch hingeführt zwei andere, Übeltäter, daß
sie mit ihm abgetan würden.
23:33
Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte,
kreuzigten sie ihn daselbst und die Übeltäter mit ihm, einen zur
Rechten und einen zur Linken.
23:34
Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen sie wissen nicht, was
sie tun! Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los darum.
23:35
Und das Volk stand und sah zu. Und die Obersten samt ihnen
spotteten sein und sprachen: Er hat anderen geholfen; er helfe
sich selber, ist er Christus, der Auserwählte Gottes.
23:36
Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm
und brachten ihm Essig
23:37
und sprachen: Bist du der Juden König, so helf dir selber!
23:38
Es war aber auch oben über ihm geschrieben die Überschrift
mit griechischen und lateinische und hebräischen Buchstaben: Dies
ist der Juden König.
23:39
Aber der Übeltäter einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn
und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selber und uns!
23:40
Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du
fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher
Verdammnis bist?
23:41
Und wir zwar sind billig darin, denn wir empfangen, was
unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes
getan.
23:42
Und er sprach zu Jesu: HERR, gedenke an mich, wenn du in
dein Reich kommst!
23:43
Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich ich sage dir: Heute wirst
du mit mir im Paradiese sein.
23:44
Und es war um die sechste Stunde, und es ward eine
Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde,
23:45
und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des
Tempels zerriß mitten entzwei.
23:46
Und Jesus rief laut und sprach: Vater, ich befehle meinen
Geist in deine Hände! Und als er das gesagt, verschied er.
23:47
Da aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und
sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen!
23:48
Und alles Volk, das dabei war und zusah, da sie sahen, was
da geschah, schlugen sich an ihre Brust und wandten wieder um.
23:49
Es standen aber alle seine Bekannten von ferne und die
Weiber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolgt, und sahen das
alles.
23:50
Und siehe, ein Mann mit Namen Joseph, ein Ratsherr, der war
ein guter, frommer Mann
23:51
und hatte nicht gewilligt in ihren Rat und Handel. Er war
von Arimathia, der Stadt der Juden, einer, der auch auf das Reich
Gottes wartete.
23:52
Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu;
23:53
und nahm ihn ab, wickelte ihn in Leinwand und legte ihn in
ein gehauenes Grab, darin niemand je gelegen hatte.
23:54
Und es war der Rüsttag, und der Sabbat brach an.
23:55
Es folgten aber die Weiber nach, die mit ihm gekommen waren
aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib gelegt
ward.
23:56
Sie kehrten aber um und bereiteten Spezerei und Salben. Und
den Sabbat über waren sie still nach dem Gesetz.
24:1
Aber am ersten Tage der Woche sehr früh kamen sie zum Grabe
und trugen die Spezerei, die sie bereitet hatten, und etliche mit
ihnen.
24:2
Sie fanden aber den Stein abgewälzt von dem Grabe
24:3
und gingen hinein und fanden den Leib des HERRN Jesu nicht.
24:4
Und da sie darum bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen
zwei Männer mit glänzenden Kleidern.
24:5
Und sie erschraken und schlugen ihre Angesichter nieder zur
Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was suchet ihr den Lebendigen bei
den Toten?
24:6
Er ist nicht hier; er ist auferstanden. Gedenket daran, wie
er euch sagte, da er noch in Galiläa war
24:7
und sprach: Des Menschen Sohn muß überantwortet werden in die
Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage
auferstehen.
24:8
Und sie gedachten an seine Worte.
24:9
Und sie gingen wieder vom Grabe und verkündigten das alles
den Elfen und den andern allen.
24:10
Es war aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des
Jakobus Mutter, und andere mit ihnen, die solches den Aposteln
sagten.
24:11
Und es deuchten sie ihre Worte eben, als wären's Märlein,
und sie glaubten ihnen nicht.
24:12
Petrus aber stand auf und lief zum Grabe und bückte sich
hinein und sah die leinenen Tücher allein liegen; und ging davon,
und es nahm ihn wunder, wie es zuginge.
24:13
Und siehe, zwei aus ihnen gingen an demselben Tage in einen
Flecken, der war von Jerusalem sechzig Feld Wegs weit; des Name
heißt Emmaus.
24:14
Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.
24:15
Und es geschah, da sie so redeten und befragten sich
miteinander, nahte sich Jesus zu ihnen und wandelte mit ihnen.
24:16
Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten.
24:17
Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr
zwischen euch handelt unterwegs, und seid traurig?
24:18
Da antwortete einer mit Namen Kleophas und sprach zu ihm:
Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht
wisse, was in diesen Tagen darin geschehen ist?
24:19
Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm:
Das von Jesus von Nazareth, welcher war ein Prophet mächtig von
Taten und Worten vor Gott und allem Volk;
24:20
wie ihn unsre Hohenpriester und Obersten überantwortet haben
zur Verdammnis des Todes und gekreuzigt.
24:21
Wir aber hofften, er sollte Israel erlösen. Und über das
alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist.
24:22
Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern; die
sind früh bei dem Grabe gewesen,
24:23
haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie
haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe.
24:24
Und etliche unter uns gingen hin zum Grabe und fanden's
also, wie die Weiber sagten; aber ihn sahen sie nicht.
24:25
Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren und träges Herzens, zu
glauben alle dem, was die Propheten geredet haben!
24:26
Mußte nicht Christus solches leiden und zu seiner
Herrlichkeit eingehen?
24:27
Und fing an von Mose und allen Propheten und legte ihnen
alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren.
24:28
Und sie kamen nahe zum Flecken, da sie hineingingen; und er
stellte sich, als wollte er weiter gehen.
24:29
Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es
will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging
hinein, bei ihnen zu bleiben.
24:30
Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das
Brot, dankte, brach's und gab's ihnen.
24:31
Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er
verschwand vor ihnen.
24:32
Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in
uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift
öffnete?
24:33
Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten wieder gen
Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren,
24:34
welche sprachen: Der HERR ist wahrhaftig auferstanden und
Simon erschienen.
24:35
Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und
wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brot brach.
24:36
Da sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten
unter sie und sprach: Friede sei mit euch!
24:37
Sie erschraken aber und fürchteten sich, meinten, sie sähen
einen Geist.
24:38
Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und
warum kommen solche Gedanken in euer Herz?
24:39
Sehet meine Hände und meine Füße: ich bin's selber. Fühlet
mich an und sehet; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie
ihr sehet, daß ich habe.
24:40
Und da er das sagte, zeigte er ihnen Hände und Füße.
24:41
Da sie aber noch nicht glaubten, vor Freuden und sich
verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen?
24:42
Und sie legten ihm vor ein Stück von gebratenem Fisch und
Honigseim.
24:43
Und er nahm's und aß vor ihnen.
24:44
Er sprach aber zu ihnen: Das sind die Reden, die ich zu euch
sagte, da ich noch bei euch war; denn es muß alles erfüllet
werden, was von mir geschrieben ist im Gesetz Mose's, in den
Propheten und in den Psalmen.
24:45
Da öffnete er ihnen das Verständnis, daß sie die Schrift
verstanden,
24:46
und er sprach zu ihnen: Also ist's geschrieben, und also
mußte Christus leiden und auferstehen von den Toten am dritten
Tage
24:47
und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der
Sünden unter allen Völkern und anheben zu Jerusalem.
24:48
Ihr aber seid des alles Zeugen.
24:49
Und siehe, ich will auf euch senden die Verheißung meines
Vaters. Ihr aber sollt in der Stadt Jerusalem bleiben, bis ihr
angetan werdet mit der Kraft aus der Höhe.
24:50
Er führte sie aber hinaus bis gen Bethanien und hob die
Hände auf und segnete sie.
24:51
Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und
fuhr auf gen Himmel.
24:52
Sie aber beteten ihn an und kehrten wieder gen Jerusalem mit
großer Freude
24:53
und waren allewege im Tempel, priesen und lobten Gott.
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